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GeschlechtsidentitÀt
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Die GeschlechtsidentitÀt umfasst geschlechtsbezogene Aspekte der menschlichen IdentitÀt. Der Begriff verdichtet im öffentlichen und wissenschaftlichen Diskurs verschiedene Aspekte des Erlebens von Zugehörigkeit zu einem Geschlecht. Dabei geht es um die Fragen, welchem Geschlecht eine Person angehört, ob sie sich ihrem biologischen Geschlecht entsprechend oder davon verschieden erlebt und das zum Ausdruck bringen kann und ob sie die damit verbundene Rolle in sexuellen und sozialen Situationen unmissverstÀndlich und mit Erfolg zu entfalten vermag.
Die GeschlechtsidentitĂ€t ist Teil des Selbsterlebens eines Menschen und damit Teil seiner IdentitĂ€t, in die auch andere Rollen, mit denen sich eine Person identifiziert, eingehen.cite-ref-rollenidentitaet-1-0[Anm. 1] Damit drĂŒckt sie sich âauch im Geschlechtsrollenverhalten aus, also in all dem, was jemand tut oder lĂ€Ăt, um zu zeigen, dass er sich als Mann, als Frau, oder âirgendwie dazwischenâ empfindetâ.cite-ref-bosinski-100-2-0[1] Die GeschlechtsidentitĂ€t ist eine âevolutionĂ€r sehr junge, spezifisch menschliche, hochkomplexe Eigenschaftâ.cite-ref-bosinski-130-3-0[2]
GeschlechtsidentitĂ€t sei, so die Sexualwissenschaftlerin Sophinette Becker, âsowohl das Ergebnis komplexen Zusammenwirkens körperlicher, seelischer und sozialer Faktoren, als auch das Ergebnis gewaltiger psychischer Abwehr- und Integrationsleistungenâ. Sie sei âebenso wenig natĂŒrlich gegeben, wie ausschlieĂlich das Produkt einer freien Wahlâ.cite-ref-becker-1-4-0[3]
Contents
âą Ethische Aspekte
âą WeiterfĂŒhrendes
âą Filme (Auswahl)
âą Festivals
âą Kunst
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Anmerkungen
âą Einzelnachweise
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Der Begriff und seine Geschichte
Es gibt fĂŒr den Begriff der GeschlechtsidentitĂ€t keine verbindliche und allgemein oder auch nur in den Bezugswissenschaften anerkannte Definition, auf die man sich geeinigt hĂ€tte. Das fĂŒhrt zu Unsicherheiten darĂŒber, welche Bedeutung diesem Begriff innewohnt, wenn er nicht im jeweiligen Kontext erlĂ€utert wird.cite-ref-katz-5-0[4] DarĂŒber hinaus werden andere Begriffe, wie IdentitĂ€tsgeschlecht, GeschlechtsrollenidentitĂ€t oder sexuelle IdentitĂ€t als Synonyme verwendet,cite-ref-diamond-6-0[Anm. 2] in der Regel ohne dass geklĂ€rt wird, ob tatsĂ€chlich Gleiches oder hinreichend Ăhnliches gemeint ist. In dieser Hinsicht unterscheiden Psychologie, Soziologie und Sexualwissenschaft als zentrale Bezugswissenschaften oft nicht. In der medialen Verwendung der Begriffe wird meist noch weniger differenziert. Mitunter wird dann auf SelbstverstĂ€ndliches aufmerksam gemacht: âIn der Wissenschaft ist es [âŠ] notwendig, sich ĂŒber die verwendeten Begriffe Klarheit zu verschaffen.âcite-ref-sigusch-97-7-0[5]
Der Sexualwissenschaftler John Money prĂ€gte in den 1950er Jahren den Begriff der Geschlechterrolle (englisch âgender roleâ) und stellte ihm 1963 jenen der GeschlechtsidentitĂ€t (âgender identityâ) zur Seite,cite-ref-money-8-0[6] fĂŒr den er 1965 in seinem Glossar eine formale Definition gab.cite-ref-money-2-9-0[7] Money verstand beide Begriffe als sich gegenseitig bedingend: Die Geschlechterrolle sei der Ă€uĂerlich sichtbare Ausdruck der GeschlechtsidentitĂ€t, die GeschlechtsidentitĂ€t die innere Wahrnehmung der eigenen Geschlechterrolle.
Die Psychoanalytiker Ralph R. Greensoncite-ref-greenson-10-0[8] und Robert Stoller definierten GeschlechtsidentitĂ€t 1964 bezogen auf das körperliche Geschlecht. Es gehe um die Gewissheit, welchem Geschlecht (englisch âsexâ) man angehöre, und um das Bewusstsein, mĂ€nnlich oder weiblich zu sein.cite-ref-stoller-2-11-0[9]
In seiner Schrift Sex and Gender verwendete Stoller 1968 erstmals das Wort Gender, um MĂ€nnlichkeit und Weiblichkeit einer Person von deren körperlichem Geschlecht (engl. âsexâ) abzugrenzen. Die GeschlechtsidentitĂ€t, die sich auf das körperliche Geschlecht bezieht, wurde von Stoller als âcore gender identityâ (deutsch: KerngeschlechtsidentitĂ€t) bezeichnet. Gender und GeschlechtsidentitĂ€t erfuhren einen Bedeutungszuwachs, teilweise wurde GeschlechtsidentitĂ€t als Oberbegriff verstanden. Richard Green beispielsweise verwendete bereits 1974 GeschlechtsidentitĂ€t als Oberbegriff fĂŒr KerngeschlechtsidentitĂ€t, Geschlechtsausdruck und sexuelle Orientierung.cite-ref-green-12-0[10]
Eberhard Schorsch und andere hatten 1985 in Zusammenfassung von Stollers AusfĂŒhrungen eine Definition zur sexuellen IdentitĂ€t vorgeschlagen und empfohlen, sie als einen Oberbegriff zu verstehen, unter dem drei verschiedene Sachverhalte subsumiert sind: die sogenannte Kerngeschlechtlichkeit als elementares Bewusstsein der Geschlechtszugehörigkeit, die Geschlechtsrolle im Sinne sozialer Potenz in dieser Rolle und der Sex im engeren Sinn, aber auch im Sinne eines Vertrauens in Vollwertigkeit und Potenz.cite-ref-schorsch-1985-13-0[11]
In ihrem Vortrag vom Dezember 2018 teilte die Sexualwissenschaftlerin Sophinette Becker mit, der Begriff IdentitĂ€t sei âein recht spĂ€t auftauchender Begriff, der im Zusammenhang mit Unsicherheit ĂŒber die IdentitĂ€t entstandâ. Der Begriff GeschlechtsidentitĂ€t sei aufgekommen, als die Begriffe Mann und Frau ânicht mehr klare SelbstverstĂ€ndlichkeiten warenâ.cite-ref-becker-2-14-0[12]
Der Sexualwissenschaftler Bosinski macht fĂŒr die begrifflichen Unsicherheiten insbesondere eine mangelnde Unterscheidung von âgeschlechtsspezifischenâ und âgeschlechtstypischenâ Merkmalen verantwortlich und widmet ihrer Beschreibung in Auswertung zahlreicher Forschungsergebnisse besondere Aufmerksamkeit.
âDie Fragen, warum und wie jemand zur Frau / zum Mann wird, was es heiĂt, eine Frau / ein Mann zu sein, ob, wie und ggf. warum Frauen und MĂ€nner anders denken, fĂŒhlen und handeln, gehören zu den spannendsten, aber auch umstrittensten Problemen humanwissenschaftlicher Forschung ĂŒberhaupt.â
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Hartmut Bosinski
:
Determinanten der GeschlechtsidentitÀt
Zu den âgeschlechtsspezifischenâ Merkmalen rechnet er die âDeterminierung des genetischen Geschlechtsâ, aber auch jene des âKeimdrĂŒsengeschlechtsâ,cite-ref-gonade-16-0[Anm. 3] der âinneren Genitalstrukturenâcite-ref-innere-geschlechtsorgane-17-0[Anm. 4] und der âĂ€uĂeren Genital-Konfigurationâ.cite-ref-aeussere-geschlechtsorgane-18-0[Anm. 5]cite-ref-bosinski-100-2-1[1] Im Unterschied dazu befasst er sich fĂŒr die âgeschlechtstypischenâ Merkmalecite-ref-bosinski-108-19-0[14] beispielsweise mit der âKörperhöheâ â âDurchschnittlich (typischerweise) sind MĂ€nner in allen Kulturen ca. 8â10 cm gröĂer als Frauenâcite-ref-bosinski-108-2-20-0[15] â, mit der Intelligenz â wenn auch fĂŒr einzelne Faktoren, so lieĂen sich fĂŒr die âGesamtintelligenz keine Geschlechtsunterschiedeâ findencite-ref-bosinski-109-21-0[16] â und mit der AggressivitĂ€t â âMĂ€nner zeigen durchschnittlich mehr unprovoziertes (!) fremdverletzendes Verhalten als Frauenâ.cite-ref-bosinski-109-21-1[16]cite-ref-knight-bettencourt-22-0[17] Abweichungen von den geschlechtsspezifischen Merkmalen gelten als krankhaft, wĂ€hrend Abweichungen in den geschlechtstypischen Unterschieden ânicht krank, sondern die Regelâ seien.cite-ref-bosinski-100-2-2[1]
Im Lauf der Jahre hat es zahlreiche Umwidmungen der verschiedenen Begriffe im Zusammenhang mit dem der GeschlechtsidentitĂ€t gegeben, die jedoch eher zu einer wachsenden UnĂŒbersichtlichkeit beigetragen, als zu einer KlĂ€rung gefĂŒhrt haben.
Im Jahr 2006 wurden in der indonesischen Stadt Yogyakarta die sogenannten Yogyakarta-Prinzipien ausgehandelt, die laut Heiner Bielefeldt âden aktuellen Stand der internationalen Menschenrechtsdiskussionâ reprĂ€sentieren und der âWeiterentwicklung der Menschenrechteâ dienen sollen.cite-ref-yogyakarta-2-23-0[18] Sie wurden im Jahr 2008 von der inzwischen gegrĂŒndeten Hirschfeld-Eddy-Stiftung erstmals in deutscher Sprache herausgegeben.
âUnter âgeschlechtlicher IdentitĂ€tâ versteht man das tief empfundene innere und persönliche GefĂŒhl der Zugehörigkeit zu einem Geschlecht, das mit dem Geschlecht, das der betroffene Mensch bei seiner Geburt hatte, ĂŒbereinstimmt oder nicht ĂŒbereinstimmt; dies schlieĂt die Wahrnehmung des eigenen Körpers (darunter auch die freiwillige VerĂ€nderung des Ă€uĂeren körperlichen Erscheinungsbildes oder der Funktionen des Körpers durch medizinische, chirurgische oder andere Eingriffe) sowie andere Ausdrucksformen des Geschlechts, z. B. durch Kleidung, Sprache und Verhaltensweisen, ein.â
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Hirschfeld-Eddy-Stiftung
(Hrsg.)
:
Die Yogyakarta-Prinzipien
Entwicklung geschlechtlicher IdentitÀt
Bosinski ging davon aus, dass âdie Entwicklung der GeschlechtsidentitĂ€t durch ein hochkomplexes, zeitabhĂ€ngiges biopsychosoziales BedingungsgefĂŒge determiniertâ werde.cite-ref-bosinski-96-15-1[13] SpĂ€testens seit Simone de Beauvoir und ihrem 1949 erschienenen Buch Das andere Geschlecht hat sich eine fortdauernde Kontroverse ĂŒber die GeschlechtsidentitĂ€t und die Frage entwickelt, ob sie sich bevorzugt âoder gar ausschlieĂlichâ ĂŒber biologische Gegebenheiten, EinflĂŒsse der Sozialisation oder die Wirkung psychogenetischer Faktoren konstituiert. Bosinski meint, es habe âden Anschein, als ob nun ein erneutes âUmschwingen des Diskurs-Pendelsââ erfolge.cite-ref-bosinski-97-25-0[20] Das sei zwar auch durch wissenschaftliche Befunde induziert, werde maĂgeblich aber durch den âZeitgeistâ beeinflusst. Der könne sich jedoch nicht nur von aktuellen wissenschaftlichen Ergebnissen entfernen, sondern ganz im Widerspruch zu ihnen stehen.
Zu der Frage, wie sich die GeschlechtsidentitĂ€t in der individuellen Entwicklung herausbildet, hat die psychoanalytische Theorie einiges beigetragen. Nach Jessica Benjamin verlĂ€uft die Sexualentwicklung vom Autoerotismus ĂŒber den Narzissmus zur genitalen Liebe. Sie beschrieb im Detail vier Phasen in der Entwicklung der GeschlechtsidentitĂ€t.cite-ref-benjamin-01-26-0[21]
WĂ€hrend der ersten 1 œ Lebensjahre âbildet sich die geschlechtliche IdentitĂ€t im Kernâ heraus. Dabei handele es sich um eine âbloĂ empfundene Ăberzeugung, mĂ€nnlich oder weiblich zu seinâ. Daraus werde spĂ€ter die âĂberzeugung, der einen oder der anderen Gruppe zuzugehörenâ. Das sei, was der Begriff Geschlechtszugehörigkeit bedeute.cite-ref-benjamin-02-27-0[22]
In der 2. HĂ€lfte des 2. Lebensjahres beginne mit der frĂŒhen Differenzierung die nĂ€chste Phase in der Herausbildung geschlechtlicher IdentitĂ€t âauf der Ebene der Identifikationenâ.cite-ref-benjamin-03-28-0[23] âIn Abgrenzung von der geschlechtlichen Kern-IdentitĂ€tâ wurde dieses PhĂ€nomen 1983 von Person und Oversy mit dem Begriff der GeschlechtsrollenidentitĂ€t beschrieben, weil mĂ€nnliche und weibliche Selbstbilder im Zentrum stehen.cite-ref-benjamin-04-29-0[24] Das sei eine âpsychische Errungenschaftâ, die im Konflikt âvon Trennung und Individuation erworben wirdâ. Das Kind beginne, beide Eltern bewusst und auch im Geschlecht zu unterscheiden. Mutter reprĂ€sentiere dabei in einem, wie Benjamin es nennt, traditionellen Geschlechterarrangement idealtypisch âHalten, Bindung und Versorgungâ, Vater reprĂ€sentiere âAuĂenwelt, Erforschung und Freiheitâ. Es gehe im Erleben des Kindes noch nicht um eine Triade, also Vater-Mutter-Kind, sondern noch um Dyade,cite-ref-dyade-30-0[25] also Vater-Kind oder Mutter-Kind. Hier entstehe so etwas wie âidentifikatorische Liebeâ.cite-ref-benjamin-05-31-0[26]
Im Alter von 2 bis 3 œ Jahren sei die LiebesfĂ€higkeit des Kindes noch stark narzisstisch gefĂ€rbt. Wenn der Junge in dieser Zeit wie Mutter und das MĂ€dchen wie Vater sein wolle, sei das weder Ausdruck der Ablehnung des eigenen Geschlechtes noch Reaktion auf Konflikte â Freud sprach als einen zentralen Konflikt wĂ€hrend der psychosexuellen Entwicklung des Kindes beispielsweise Kastrationsdrohungen an. Stattdessen gehe es um Liebe und Bewunderung fĂŒr das jeweils andere Geschlecht. Kinder wĂŒrden nun beginnen, das âRepertoire von Gesten und Verhalten, das die Kultur zum Ausdruck von MĂ€nnlichkeit und Weiblichkeit bereithĂ€lt, fĂŒr sich zu assimilierenâ.cite-ref-benjamin-05-31-1[26] Noch versuchten die Kinder aber, âbeide Optionen in sich selbst zu verwirklichenâ. Nur langsam dringe, gegen Ende dieser Entwicklungsphase, der Konflikt âzwischen Wunsch und anatomischer RealitĂ€tâ ins Bewusstsein. âDiese Phase ist [âŠ] von stĂ€ndigem Protest gegen die immer deutlichere Wahrnehmung der Geschlechterunterschiede gekennzeichnetâ.cite-ref-benjamin-06-32-0[27] Beide aber wĂŒrden â noch â alles sein wollen und protestierten gegen die âgeschlechtsspezifischen Grenzenâ. Sich auf Sigmund Freud beziehend gingen Ă€ltere psychoanalytische Konzepte, die inzwischen weitgehend aufgegeben wurden, davon aus, dass Jungen in dieser Entwicklungsphase die GebĂ€rfĂ€higkeit und MĂ€dchen den Penis neiden wĂŒrden. Als Erste stellte sich Karen Horney 1922 diesen theoretischen Konstrukten Freuds entgegen.cite-ref-horney-33-0[28]
Gegen Ende des vierten Lebensjahres beginne die Phase der âeigentlichen Geschlechterdifferenzierungâ.cite-ref-benjamin-06-32-1[27] Dabei wĂŒrden âdie komplementĂ€ren GegensĂ€tze dem Selbst und dem Anderen zugeordnetâ. In dieser Phase werde die identifikatorische Liebe zum â âgewöhnlich, aber nicht zwangslĂ€ufigâ â andersgeschlechtlichen Elternteil aufgegeben. Dies fĂŒhre nicht selten zu RivalitĂ€t und âverĂ€chtliche[r] Ablehnung des anderen Geschlechtsâ oder zu Liebe und Sehnsucht nach dem verlorenen Anderen. In dieser Phase könne ein âchauvinistische[s] Beharren auf dem eigenen Geschlechtâ â âjede(r) muss genauso sein wie ichâ â beobachtet werden. Die gleichgeschlechtliche Identifikation werde nun unterstĂŒtzt durch andere als die Elternfiguren und auch durch Gleichaltrige. Idealtypisch wĂŒrden nun die eigenen Grenzen anerkannt und im Anderen das geliebt, was verschieden ist. Das bedeute, angekommen zu sein bei âIdentifikation und Objektliebeâ. Insbesondere die Liebe, die sich auf den Anderen richtet, setze Spannungstoleranz voraus und die mĂŒsse sich entwickelt haben, damit dieser Entwicklungsschritt gelingen könne. Je weniger das Kind in ârigiden, komplementĂ€ren Rollenvorstellungenâ steckenbleibe, umso eher könne sich, wie Benjamin sagt, eine entspannte âVertrautheit mit Besonderheiten des anderen Geschlechtsâ einstellen.cite-ref-benjamin-07-34-0[29]
Ist dieser individuelle Entwicklungsprozess abgeschlossen, hĂ€tten Kinder zunĂ€chst âhochgradig stereotypisierte Urteile darĂŒber, was Jungen können und MĂ€dchen nicht und umgekehrtâ, was allerdings âsoziokulturellen Schwankungen unterworfenâ sei. In der Folge sei es âeine Entwicklungsaufgabe des Kindes, zu lernen, sich entsprechend der durchschnittlichen Erwartungen an seine Zugehörigkeit zum mĂ€nnlichen oder weiblichen Geschlecht zu verhaltenâ.cite-ref-bosinski-114-35-0[30] Dabei seien, so Bosinski im Jahr 2000, âin modernen Industriekulturen [âŠ] die Grenzen zwischen Mann-Sein und Frau-Sein nicht mehr derart zementiert wie etwa noch vor 30 Jahrenâ.cite-ref-bosinski-115-36-0[31]
FĂŒr den âProzess der Entwicklung einer âerziehungskontrĂ€renâ GeschlechtsidentitĂ€tâ hat Bosinski vorgeschlagen, davon auszugehen, dass sie âvon einer Nicht-Identifizierung mit dem durch die Erziehung angetragenen Geschlecht bzw. einem âWohler-fĂŒhlenâ in der Rolle des anderen Geschlechts ĂŒber eine Ablehnung der körperlichen Aspekte des Erziehungsgeschlechts und der Realisierung einer fĂŒr diese Rolle âunpassendenâ sexuellen Orientierung bis zu einer Flucht aus dem Erziehungs- in das innerlich als âstimmigerâ empfundene Gegengeschlechtâ verlaufe.cite-ref-bosinski-131-37-0[32] An diesem Prozess seien, wie auch an der Entwicklung einer âerziehungskonformenâ GeschlechtsidentitĂ€t, âbiologische, innerpsychische und soziokulturelle Faktorenâ beteiligt, die ihre Wirkung âin der frĂŒhen Kindheitâ zu entfalten beginnen âund erst nach der PubertĂ€t zu einem relativen AbschluĂâ kĂ€men. Dabei wĂ€ren âKultur und Naturâ einerseits und âAnlage und Erziehungâ andererseits keineswegs âeinander [âŠ] ausschlieĂende, sondern vielmehr notwendig ergĂ€nzende und bedingende Mechanismenâ. Bewertungen allerdings âhĂ€ngen nicht von â wie auch immer gearteten â Befunden ab, sondern sind politisch-moralische Entscheidungenâ.cite-ref-bosinski-132-38-0[33]
FĂŒr die Entwicklung der GeschlechtsidentitĂ€t in anderen als den westlich geprĂ€gten Kulturen gilt es â nicht in jeder Hinsicht, aber in manchen Merkmalen â, gesonderte Aspekte zu berĂŒcksichtigen. Die Psychoanalytikerin Mahrokh Charlier beispielsweise hat ĂŒber die Entwicklung in âpatriarchalischislamischen Gesellschaftenâ veröffentlicht.cite-ref-charlier-39-0[34]
Versuche, sich mit der Entwicklungspsychologie der GeschlechtsidentitĂ€t zu befassen, stehen vor einer umfangreichen Fachliteratur in den verschiedenen damit befassten wissenschaftlichen Disziplinen: âDie Herausbildung der GeschlechtsidentitĂ€t, von Geschlechtsrollenverhalten und -vorstellungen sind seit Jahren Gegenstand einer kaum ĂŒberschaubaren FĂŒlle von Untersuchungen und Publikationen der Sozialpsychologie, der Differentiellen Psychologie, der empirischen Entwicklungspsychologie usw. Pro Jahr erscheinen hierzu ca. 600 neue Arbeiten allein in der psychologischen Literatur.âcite-ref-bosinski-112-40-0[35] Zur Orientierung schlĂ€gt Bosinski einige âĂberblicksarbeitenâ vor.cite-ref-bosinski-112-2-41-0[36]
BinÀre GeschlechtsidentitÀt
Die Bezeichnung binĂ€re GeschlechtsidentitĂ€t hat sich fĂŒr jene FĂ€lle etabliert, in denen ausschlieĂlich Frauen und MĂ€nner als Geschlechtergruppen in den Fokus der Betrachtung gerĂŒckt werden (siehe auch BinĂ€re Geschlechterordnung). Auch wenn in der öffentlichen Debatte die geschlechtliche Vielfalt inzwischen breiten Raum eingenommen hat (vergleiche die neue Geschlechtsoption âdiversâ), gehören Menschen, die sich mit einem dieser beiden Geschlechter zweifelsfrei identifiziert haben, nach wie vor und mit seltenen Ausnahmen ĂŒberall auf der Welt zu den beiden gröĂten Geschlechtergruppen. NichtbinĂ€re GeschlechtsidentitĂ€ten machen in Deutschland etwa 1 bis 2 % der Bevölkerung aus (vergleiche Inter- und Transgeschlechtlichkeit). Dabei ist zu berĂŒcksichtigen, dass selten Zahlen angegeben werden und wenn, dann unterscheiden sie sich âje nach definitorischer Begrenzung und untersuchter Populationâ.cite-ref-bosinski-104-42-0[37]
Auch der Eindruck, die sexuelle Orientierung der Menschen hin zu einer Homo- oder BisexualitĂ€t habe in einem Umfang zugenommen, der die HeterosexualitĂ€t zu verdrĂ€ngen beginne, tĂ€uscht. Diesem Eindruck tritt Bosinski entschieden und mit wissenschaftlichen Mitteln entgegen: âVielmehr stehen ca. 90 bis 95 % vorwiegend bis ausschlieĂlich heterosexuell [âŠ] orientierten MĂ€nnern ca. 5 bis 8 % mehr oder weniger exklusiv homosexuell orientierte MĂ€nner [âŠ] gegenĂŒber. Die Zahl der bisexuell orientierten [âŠ] liegt stets unter der letztgenannten.âcite-ref-bosinski-112-40-1[35] Auch stehe fest, âdass keine Kultur bekannt ist, in der die durchschnittlich gröĂere sexuell-erotische Attraktion von MĂ€nnern durch Frauen und von Frauen durch MĂ€nnern aufgehoben oder gar umgekehrtâ sei.cite-ref-bosinski-118-43-0[38]
Ethnographische Untersuchungen haben âtrotz der teilweise erheblichen interkulturellen Varianzâ eine âReihe von kulturĂŒbergreifenden Universalienâ zu erkennen gegeben, und die âseinerzeit mit groĂem Enthusiasmus aufgenommenen Berichte von Magaret Mead (1979) ĂŒber die angeblich totale kulturelle RelativitĂ€t der Geschlechterrollen gelten inzwischen als widerlegtâ.cite-ref-bosinski-115-36-1[31]
Bosinski empfiehlt, die Kategorie der binĂ€ren GeschlechtsidentitĂ€t nicht aufzugeben, insbesondere mit Blick auf die kindliche Entwicklung: âDie Kategorien âMann und Frauâ, âJunge und MĂ€dchenâ haben Kompassfunktion bei der Aneignung der Welt, Ă€hnlich wie andere kindliche Urteilskategorien (z. B. âGut und Böseâ).âcite-ref-bosinski-113-44-0[39]
Als FĂŒrsprecher der Anerkennung geschlechtlicher Vielfalt empfiehlt der Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch mit Blick auf die sexuelle DiversitĂ€t einen Aspekt nicht aus dem Auge zu verlieren, er nennt ihn den âfesten Kern von SexualitĂ€t und Geschlechtlichkeitâ.
âFest ist der sexogenerische Kern, weil beispielsweise kein âBio-Mannâ je erfahren und verstehen wird, was der Einbruch der Menstruation und der BrĂŒste, was die BlutfĂŒllung der Vorhofschwellkörper, die VergröĂerung der Klitoris und die Kontraktionen im Unterleibsinneren, was Schwangerschaft, Geburt und Stillen oder was das natĂŒrliche Verlieren der Fruchtbarkeit in einem Alter, das heute keineswegs als hoch angesehen wird â was all das wirklich bedeutet. Diese mit dem Körpergeschlecht unlösbar verbundenen Ereignisse schlagen sich in Körper und Seele nieder, und nicht zuletzt aus diesen NiederschlĂ€gen entsteht das, was wir seit einiger Zeit SexualitĂ€t und GeschlechtsidentitĂ€t nennen.â
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Volkmar Sigusch
:
Sexuelle Welten
Geschlechtliche Vielfalt
In Deutschland gibt es mindestens in den âgroĂen StĂ€dten [âŠ] mittlerweile eine schillernde Szene von Angehörigen beider Geschlechterâ, die eine GeschlechtsidentitĂ€t jenseits der binĂ€ren entwickelt und dafĂŒr verschiedene Bezeichnungen vorgesehen haben. Sie definieren sich âjenseits der herkömmlichen Rollenzuschreibungen, ohne dass es sich dabei um krankheitswertige (transsexuelle) GeschlechtsidentitĂ€tsstörungen handeltâ.cite-ref-bosinski-115-36-2[31]
Im Jahr 2012 nahm sich die Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung (bpb) des Themas an.cite-ref-bundeszentrale-46-0[41] In ihrem Editorial beklagt Anne Seibring die AuĂenseiterposition, in die Menschen, die anders als alle anderen sind, geraten, und macht auf nicht immer allgemein bekannte Folgen aufmerksam: âLange Zeit ging die Medizin von der heute höchst umstrittenen Annahme aus, eine stabile GeschlechtsidentitĂ€t könne bei intersexuell Neugeborenen durch operative Geschlechtszuordnung (manchmal auch ohne Wissen der Eltern) und durch Erziehung im zugewiesenen Geschlecht erreicht werden. Viele Betroffene, die â wenn ĂŒberhaupt â gröĂtenteils erst im Erwachsenenalter davon erfuhren, sind tief traumatisiert. FĂŒr sie wie auch fĂŒr diejenigen, die von Operationen verschont geblieben sind, sowie fĂŒr Menschen mit TransidentitĂ€t kommt hinzu, dass sie in einer Gesellschaft leben, deren binĂ€re Geschlechterordnung kaum Platz lĂ€sst fĂŒr âanderesâ.âcite-ref-bundeszentrale-01-47-0[42]
FĂŒr den Themenschwerpunkt der Bundeszentrale sind neun Artikel von Vertretern verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen verfasst worden, die eine FĂŒlle einschlĂ€giger und weiterfĂŒhrender Literatur verarbeiten. Sie geben mit ihren je verschiedenen Schwerpunkten einen Ăberblick ĂŒber den zu diesem Zeitpunkt aktuellen Stand der wissenschaftlichen Diskussion. Neben einem Aufsatz von Laura Adamietz zur rechtlichen Situation in Deutschlandcite-ref-adamietz-01a-48-0[43] beschĂ€ftigte sich Carolin KĂŒppers mit der soziologischen Dimension des Geschlechtes.cite-ref-bundeszentrale-04-49-0[44] Eckart Voland widmete sich zusammen mit Johannes Johow den soziobiologischen Aspekten.cite-ref-bundeszentrale-05-50-0[45] Hertha Richter-Appelt, eine der Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Sexualforschung und Professorin fĂŒr Sexualwissenschaft an der Hamburger UniversitĂ€t, befasste sich mit GeschlechtsidentitĂ€t und -dysphorie.cite-ref-bundeszentrale-06-51-0[46] Ulrike Klöppel schrieb ĂŒber die Medikalisierung uneindeutiger Geschlechtercite-ref-bundeszentrale-11-52-0[47] und Michael Wunder fokussierte unter dem Titel Leben zwischen den Geschlechtern auf die Intergeschlechtlichkeit.cite-ref-bundeszentrale-07-53-0[48] Rainer Herrn betrachtete Transvestitismus und TranssexualitĂ€t historisch und sprach in seinem Titel die Ver-körperungen des anderen Geschlechts an.cite-ref-bundeszentrale-08-54-0[49] Susanne Schröter rundete das Thema mit ihrer ethnologischen Perspektive ebenso abcite-ref-bundeszentrale-09-55-0[50] wie Arn Sauer und Jana Mittag, die einen Blick auf den internationalen Kontext von GeschlechtsidentitĂ€t und Menschenrechte wagten.cite-ref-bundeszentrale-10-56-0[51]
Soziologische Aspekte
Laut Carolin KĂŒppers gibt es einen âcommon sense der Zweigeschlechtlichkeit in unserer Gesellschaftâ, der âwenig Raum fĂŒr geschlechtliche Existenzweisen jenseits der binĂ€ren Kategorienâ lasse und âein erstaunliches Beharrungspotenzialâ habe. Mit ihm gehe eine âsoziale Verortung von MĂ€nnern und Frauenâ einher.cite-ref-kueppers-6-57-0[52]
Nachdem die Debatte ĂŒber den Begriff der GeschlechtsidentitĂ€t lĂ€ngst um die soziologische Dimension erweitert war, hat sich KĂŒppers im Jahr 2012 einer zusammenfassenden Betrachtung gewidmet. âDie Einteilung in zwei eindeutig voneinander zu unterscheidende Geschlechter [âŠ] erscheint als ânatĂŒrlicheâ und selbstverstĂ€ndliche Tatsache, stellt sich aber aus soziologischer Perspektive sehr viel komplexer dar.âcite-ref-kueppers-1-58-0[53] Auch unter naturwissenschaftlicher Betrachtung sei es, so KĂŒppers, âmehr als uneindeutigâ, was genau die Geschlechterunterschiede markiere. Das Stereotyp der binĂ€ren Geschlechterverteilung verliere zwar an Bedeutung, sei jedoch ânach wie vor ĂŒberall prĂ€sentâ. Dabei stelle sich â in Anlehnung an Paula-Irene Villa â die Frage, âwie ein verhĂ€ltnismĂ€Ăig kleiner anatomischer Unterschied so groĂe soziale Folgen habenâ könne:cite-ref-villa-59-0[54]
âAuf die Tendenz, die Differenzierung in zwei Geschlechter auf biologische Unterschiede zu reduzieren, haben angloamerikanische Feministinnen in den 1960er Jahren mit der Abgrenzung von sex und gender reagiert. Der Begriff sex wird in der Regel mit âbiologisches Geschlechtâ ĂŒbersetzt und anatomisch definiert. Der Begriff gender wird meist in der Bedeutung von âsozialem Geschlechtâ verwendet und zielt auf die soziale Konstruktion von geschlechtsspezifischen Rollen und Attributen ab. Die Trennung von sex und gender hat enorme Vorteile gebracht, um gegen einen AlleinerklĂ€rungsanspruch der Geschlechterunterscheidung durch biologische Determination argumentieren zu können. Sie enttarnte gender als soziales Konstrukt und deckte auf, dass dichotome Geschlechterzuschreibungen, Geschlechterrollen und Hierarchisierungen historisch entstanden sind und durch gesellschaftliche Strukturierungen, Aushandlungen und Bedeutungszuschreibungen zustande kommen.â
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Carolin KĂŒppers
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Soziologische Dimensionen von Geschlecht
Allerdings werde, so KĂŒppers weiter, in der âaktuellen Geschlechtersoziologieâ die Unterscheidung in Sex und Gender âkaum noch verwendetâ, weil sie sich ârecht schnell als zu undifferenziert und damit als Nachteilâ erwiesen habe. Nach Kerrin Christiansencite-ref-christiansen-61-0[56] ist Geschlechtlichkeit eher âals ein Kontinuum denn als zwei klar zu unterscheidende Poleâ zu verstehen.cite-ref-kueppers-2-60-1[55] Die Biologin Sigrid Schmitz relativierte in diesem Zusammenhang die gĂ€ngige Ăberzeugung von der gröĂeren ObjektivitĂ€t der Naturwissenschaften gegenĂŒber den Sozialwissenschaften: âDie Naturwissenschaft ist nicht objektiver als andere Wissenschaften, nur weil sie ihre Befunde in einem quantitativ-experimentellen Design reproduziert. Denn auch dieses Design ist von bestimmten theoretischen Vorannahmen geleitet, welche die Auswahl der Daten, ihre EinschlĂŒsse und Auslassungen und die Interpretationen der Befunde beeinflussen.âcite-ref-schmitz-62-0[57]
âDie Geschlechterordnungâ sei eine âwirkmĂ€chtige, herrschaftsdurchtrĂ€nkte soziale RealitĂ€tâ, die âNormalitĂ€tâ und den âZwangâ konstruiere, âsich dieser Norm zu unterwerfenâ. Das war, seit sich der Mensch seiner eigenen Körperlichkeit bewusst wurde, schon immer und ĂŒberall so, wenn auch jeweils verschieden. Geschlecht sei âTeil des sozialen Körperwissens und der Normen der Geschlechterdichotomieâ, so KĂŒppers. Mit Hilfe der Sprache wĂŒrden Menschen die Welt und damit auch Geschlechtlichkeit interpretieren, ihr âBlick auf die Weltâ werde aber âdurch eine zeithistorische, spezifische Brille begrenztâ. Und weil im Diskurs ĂŒber Geschlechtlichkeit definiert werde, was als ânormalâ zu gelten habe, werde zugleich âdas, was als âandersâ gilt, mit konstruiertâ.cite-ref-kueppers-3-63-0[58]
Nachdem Simone de Beauvoir sich bereits im Jahr 1949 mit der Frage befasst hatte, was eine Frau zur Frau mache, hat in den 1970er Jahren die Frauenforschung damit begonnen, das Konzept der geschlechtsspezifischen Sozialisation unter dem Postulat zu entwickeln, das Private sei politisch. Seitdem ist der âgeschlechtertheoretische Diskurs [âŠ] eng mit der politischen Perspektive der Frauenbewegung verbundenâ und mit der Frage nach den âgesellschaftlichen MachtverhĂ€ltnissen [âŠ] verknĂŒpftâ. Im Rahmen ihrer Sozialisation âlernen Menschen, was es vor dem jeweiligen gesellschaftlichen Hintergrund bedeutet, eine Frau oder ein Mann zu seinâ und was in diesen Rollen von ihnen erwartet wird. Mit der Zuordnung zu einem Geschlecht âsind spezifische Wahrnehmungen, Zuschreibungen, Hierarchien und Vorannahmen verbundenâ, die Einfluss auf die âsoziale Interaktionâ nehmen. âSeit den 1990er Jahrenâ wird nach KĂŒppers âdie Vorstellung einer eindeutigen und stabilen geschlechtlichen IdentitĂ€t [âŠ] hinterfragtâ. Carol Hagemann-White habe âeine Abkehr vom Sozialisationsparadigmaâ und der Annahme einer âZweigeschlechtlichkeitâ vorgeschlagen und stattdessen auf âverschiedene kulturelle Konstruktionen von Geschlechtâ verwiesen.cite-ref-kueppers-4-64-0[59]
âGeschlecht ist nicht etwas, was wir haben, schon gar nicht etwas, was wir sind. Geschlecht ist etwas, was wir tun.âcite-ref-achs-65-0[60] KĂŒppers beschreibt, wie diese âThese [âŠ] unter dem Schlagwort des doing gender Eingang in die sozialwissenschaftliche Diskussion gefundenâ habe. Dabei dienten Handlungstheorien dazu, Einblick in jene VorgĂ€nge zu gewĂ€hren, mit denen sich Menschen âNormen, Regeln und Strukturen aneignen und handelnd weitergebenâ â in diesen ZusammenhĂ€ngen auf die Frage bezogen, wie Frauen und MĂ€nner ihre Geschlechtlichkeit zum Ausdruck bringen: âDoing gender funktioniert also sowohl ĂŒber das alltĂ€gliche Verhalten als auch ĂŒber die alltĂ€gliche Wahrnehmung.â Sozialer Interaktion gehe stets eine Zuordnung des GegenĂŒbers zu einem Geschlecht voraus: âIst die Zuschreibung erfolgt, werden die jeweiligen Einzelheiten der Interaktion eingeordnet und die richtigen Genitalien werden, da sie nicht sichtbar sind, unterstellt.â Kann jemand keinem Geschlecht zugeordnet werden, âbekommen wir gravierende handlungspraktische Problemeâ. Allerdings könnten Geschlechternormen zunehmend hinterfragt werden, was âden Spielraum fĂŒr nicht normative, geschlechtliche Existenzweisenâ eröffne.cite-ref-kueppers-5-66-0[61]
Soziobiologische Aspekte
Auch âgroĂ angelegte Metastudienâ liefern âinsgesamt nur wenige Belege fĂŒr Geschlechtsunterschiede im Verhaltenâ von MĂ€nnern und Frauen.cite-ref-voland-5-67-0[62] Diesen Befund bringen Eckart Voland und Johannes Johow mit der in ihren Augen bedauerlichen Tatsache in Verbindung, dass sich diese Studien der âsokratischen Empfehlungâ enthielten, âdie âNatur in ihre gewachsenen Teileâ zu zerlegenâ. WĂŒrden jedoch âdie âgewachsenen Teileâ identifiziertâ, kĂ€me man âzu einem anderen Ergebnisâ.cite-ref-bischof-hrdy-68-0[63] Dann lieĂen sich âsehr wohl Unterschiede [âŠ] statistisch robust beschreibenâ und der âSchatten unserer evolutionĂ€ren Vergangenheit gerade auch in einer um Emanzipation bemĂŒhten Moderne aus[zu]leuchtenâ.cite-ref-voland-5-67-1[62]
Soziobiologie sei eine âMilieutheorie menschlichen Verhaltens [âŠ] auf genetischer Basisâ.cite-ref-voland-4-69-0[64] Voland und Johow halten bei ihren soziobiologischen Betrachtungen der GeschlechtsidentitĂ€t die âUnterteilung in âmĂ€nnlichâ und âweiblichââ mit Verweis auf die Evolutionsgeschichte fĂŒr grundsĂ€tzlich berechtigt. Sie wollen âeine Unterscheidung der Geschlechter [âŠ] versuchen, um trotz aller Gemeinsamkeiten von MĂ€nnern und Frauen vielleicht doch einige Unterschiede zu entdecken, die als Resultat biologischer Anpassungsprozesse bedeutsam sindâ.cite-ref-voland-1-70-0[65]
âUm zu zeigen, dass die Unterteilung in âweiblichâ und âmĂ€nnlichâ â fernab von der teilweise haarstrĂ€ubenden populĂ€r-wissenschaftlichen âAufbereitungâ wissenschaftlicher Erkenntnisse â tatsĂ€chlich ihre Berechtigung hat, lohnt ein kurzer Exkurs in die Naturgeschichte der SexualitĂ€t.â
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Voland & Johow
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Geschlecht und Geschlechterrolle: Soziobiologische Aspekte
Dabei beziehen sich die Autoren unter anderem auf Lise Eliot, die sich im Jahr 2011 mit den Trouble with Sex Differences (deutsch: Schwierigkeiten mit den Geschlechterunterschieden) befasste.cite-ref-eliot-71-0[66] Seit Darwin lasse sich âdie menschliche Natur nicht mehr aus der gemeinsamen Geschichte aller Lebewesen ausklammernâ. Sie alle und damit auch die Menschen seien auf âbestmögliche Reproduktionâ eingestellt: âDie verhaltenssteuernde Maschinerie unseres Gehirns produziert biologisch nĂŒtzliche ReprĂ€sentationen der Welt und Emotionen, die uns â Risiken meidend, Chancen nutzend â gleichsam einem Navigationssystem vergleichbar durchs Leben fĂŒhren.âcite-ref-voland-2-72-0[67]
Fortpflanzung und SexualitĂ€t seien âzwei völlig unterschiedliche Prozesseâ â Vermehrung einerseits und âAustausch von genetischer Informationâ andererseits â, die ursprĂŒnglich voneinander unabhĂ€ngig abliefen und sich erst spĂ€ter âevolutionĂ€r verkoppeltâ hĂ€tten. Dies habe bei fast allen Wirbeltieren âVermehrung durch Sexâ hervorgebracht.cite-ref-voland-2-72-1[67]
âWĂ€hrend die weibliche Seite eher durch Risikoaversion, höheren Standards bezĂŒglich der Partnerwahl und weniger variablen EntwicklungsverlĂ€ufen gekennzeichnet ist, kann die mĂ€nnliche Seite eher mit Attributen wie sexueller Opportunismus, sexuelle und soziale Risikobereitschaft, breitere phĂ€notypische Diversifikation auch in mentalen Aspekten des Lebensvollzugs beschrieben werden.â
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Voland & Johow
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Geschlecht und Geschlechterrolle: Soziobiologische Aspekte
Es sei âgewöhnungsbedĂŒrftigâ, so die Autoren, âsich das Genom als ein Schlachtfeld fĂŒr genetische Konflikte zwischen mĂ€nnlichen und weiblichen Genen [âŠ] vorzustellenâ, zugleich aber âsehr erhellendâ. Damit hatte sich Richard Dawkins in seinem Buch Das egoistische Gencite-ref-dawkins-73-0[68] ausfĂŒhrlich befasst. Voland und Johow sind ĂŒberzeugt, dass ein âevolutionĂ€rer Friedensschluss im ewigen âKrieg der Geschlechterâ [âŠ] aus soziobiologischer Sicht nicht denkbarâ sei. Stets handele es sich um âsehr brĂŒchige Kompromisse eines profunden Interessenskonflikts, den keine Seite endgĂŒltig gewinnenâ könne. So gesehen sei Geschlechterdifferenz âein fester Bestandteil der menschlichen Naturâ. Es sei, als spiele Kultur mit dieser Differenz, âaber entgegen eines weit verbreiteten MissverstĂ€ndnisses konstruieren Kulturen nicht diese Differenz.âcite-ref-voland-2-72-3[67]
Mutationen oder BeschĂ€digungen einzelner Gene hĂ€tten mögliche Abweichungen zur Folge, die sich jedoch âinnerhalb der menschlichen Bevölkerung mit zwei Prozent aller Geburten nur relativ seltenâ finden. Kinder, die sich nach der Geburt Ă€uĂerlich nicht einem Geschlecht zuordnen lassen, gelten als intersexuell und machen âunter 0,2 Prozent aller Geburtenâ aus, so Leonart Sax in seiner Antwort an Anne Fausto-Sterling.cite-ref-sax-74-0[69]cite-ref-ethikrat-2-75-0[70] Jenseits dieser seltenen Besonderheiten sei die sexuelle Entwicklung weiteren EinflĂŒssen ausgesetzt, zu denen unter anderem der Hormonstatus gehöre. Der werde durch die unterschiedlichsten Faktoren gesteuert. Es lasse sich feststellen, âdass ein Ă€uĂerst komplexer Entwicklungspfad vom Geschlechtschromosom zur GeschlechtsidentitĂ€tâ verlaufe. Insofern sei Geschlecht âgar nicht so eine eindeutige Kategorieâ, wie oft angenommen werde.cite-ref-voland-3-76-0[71]
FĂŒr die FĂ€higkeit der beiden Geschlechter, vielfĂ€ltige âVerhaltensstrategienâ auszubilden, werden in der Regel sowohl genetische Anlagen als auch Umweltfaktoren verantwortlich gemacht. Beide wĂŒrden sich ânicht unabhĂ€ngig voneinander betrachtenâ lassen. âBei kaum einem anderen Thema wird die Anlage-Umwelt-Debatte in der breiteren Ăffentlichkeit so leidenschaftlich wie ergebnislos gefĂŒhrt wie im Bereich von sex und genderâ. Dabei sei âdie Debatte im Kern theoretisch weitgehend gelöstâ, wie Voland und Johow in Anlehnung an Adolf Heschl feststellen.cite-ref-heschl-77-0[72] Dennoch wĂŒrden ââKulturistenâ und âBiologistenâ unversöhnlich aufeinandertreffenâ, weil ânicht gut verstandenâ sei, dass âAnlage und Umwelt nicht additivâ, sondern âsynergetischâ wirksam wĂŒrden. Dabei brĂ€chten die âin den Genen festgeschriebenen BauplĂ€neâ in AbhĂ€ngigkeit von Umweltbedingungen in Erleben und Verhalten des Menschen Strategien hervor, die ihrerseits auf die Umgebung Einfluss nĂ€hmen. âHĂ€ufigâ werde allerdings ĂŒbersehen, âdass in den biologischen InformationstrĂ€gern die âReaktionsnormâ des Organismus auf je verschiedene Umweltfaktoren festgeschriebenâ sei. Deswegen könne die âUmwelt den sich entwickelnden Organismus auch nicht gleichsam ânach eigenen Regelnâ konstruierenâ. In dieser âAngelegenheitâ habe das âletzte Wortâ die âErbinformationâ.cite-ref-voland-4-69-1[64]
Juristische Aspekte
Nachdem die Bundesregierung den Deutschen Ethikrat beauftragt hatte, sich mit dem Thema IntersexualitĂ€t zu befassen, kam es am 23. Februar 2012 zu entsprechenden Empfehlungen.cite-ref-ethikrat-stellungnahme-78-0[73] Danach sollte âfĂŒr Menschen mit uneindeutigem Geschlecht die Kategorie âanderesâ im Personenstandsrecht vorgesehen werden.âcite-ref-bundeszentrale-02-79-0[74] Im Jahr 2011 hatte das Bundesverfassungsgericht einige Regelungen des Transsexuellengesetzes fĂŒr verfassungswidrig erklĂ€rt und unter anderem eine Ănderung des Eintrages im Personenstandsregister âauch ohne körperliche, operative âAngleichungâ zugelassenâ.cite-ref-bundeszentrale-01-47-1[42] Das Personenstandsgesetz wurde mit Wirkung zum 1. November 2013 geĂ€ndert. Zwar lĂ€sst das Gesetz auch weiterhin keinen Eintrag fĂŒr IntersexualitĂ€t zu, doch wenn eine eindeutige Zuordnung zu einem der beiden vorgesehenen Geschlechter nicht möglich ist, kann ein entsprechender Eintrag im Geburtenregister entfallen.
Laura Adamietz wertet fĂŒr ihren Aufsatz mit dem Titel GeschlechtsidentitĂ€t im deutschen Recht eine Reihe von wissenschaftlichen Veröffentlichungen aus, die zum Teil auch anderen Disziplinen als der Rechtswissenschaft entstammen. Dabei wĂ€re zu berĂŒcksichtigen, dass manche ihrer Aussagen aus dem Jahr 2012 durch die Ănderung des Personenstandsgesetzes im Jahr 2013 ĂŒberholt sind. Adamietz sieht in den neuen Entwicklungen zu diesem Thema eine âHerausforderung fĂŒr das Rechtssystemâ.cite-ref-adamietz-01-80-0[75] In Deutschland unterliege es ârechtlicher Regulierungâ ebenso, wie in anderen LĂ€ndern, âob und wie GeschlechtsidentitĂ€t ausgelebt werden darfâ. Gleichwohl werde âweder Geschlecht noch GeschlechtsidentitĂ€t [âŠ] vom Recht definiertâ.cite-ref-adamietz-02-81-0[76] âRechtsvorschriftenâ wĂŒrden immer seltener âan das Geschlechtâ anknĂŒpfen und wenn, dann allgemein im Zusammenhang mit dem Diskriminierungsverbot und speziell in zwei FĂ€llen:
âBei der Entscheidung, ob zwei Menschen (wegen der Verschieden- beziehungsweise Gleichgeschlechtlichkeit ihrer Verbindung) heiraten oder sich âverpartnernâ können, und in Artikel 12a GG (Wehrpflicht nur fĂŒr MĂ€nner).â
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Laura Adamietz
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GeschlechtsidentitÀt im deutschen Recht
Allerdings halte âdas Recht an der Bedeutsamkeit der Frageâ fest, âwer eigentlich welches Geschlechtâ habe, und zwar fĂŒr die EintrĂ€ge in Reisepass, Geburtsurkunde und Geburtenregister. Es erklĂ€re aber weder, âwas Geschlecht ist, noch, wie die Geschlechtszugehörigkeit festzustellenâ sei. Adamietz empfiehlt, âim deutschen Rechtsdiskursâ von GeschlechtsidentitĂ€t âzu sprechen, wenn tatsĂ€chlich das individuelle Geschlechtszugehörigkeitsempfinden allein und nicht (auch) die sexuelle Orientierung gemeintâ sei. Das entspreche âauch dem Sprachgebrauch des BVerfGâ.cite-ref-adamietz-02-81-2[76]
Der âSchutz von GeschlechtsidentitĂ€tâ werde trotz aller von den Betroffenen erlebten Diskriminierung ânicht im Antidiskriminierungsrechtâ geregelt, âsondern anlĂ€sslich der Frage der personenstandsrechtlichen Anerkennung dieser âabweichendenâ GeschlechtsidentitĂ€t verhandeltâ. Dabei wĂ€re nach Adamietz zu bedenken, âdass man an das Geschlecht, das einem bei Geburt zugewiesen wurde, gebundenâ sei. Man könne âdieses ârechtliche Geschlechtâ nicht ohne Weiteres [âŠ] Ă€ndernâ, obwohl sich die âGeschlechtsidentitĂ€t eines Menschen [âŠ] bei dessen Geburt [âŠ] nicht erkennenâ lasse, da sie sich erst âim Laufe seines Lebensâ entwickele. Die âbeiden HauptanwendungsfĂ€lle eines Rechts auf (ungestörtes Ausleben der) GeschlechtsidentitĂ€tâ wĂŒrden âdanach unterschieden, ob sie auf einer angeborenen körperlichen Besonderheit beruhen oder nichtâ.cite-ref-adamietz-03-82-0[77]
Der âSchauplatz der AnerkennungskĂ€mpfe von TransidentitĂ€tenâ sei das Transsexuellengesetz (TSG) und es sei âwie jedes Gesetz ein Kind seiner Zeitâ. Die dort verwendeten Begriffe entsprĂ€chen dem âSprachgebrauch der Entstehungszeit (1980)â und gĂ€ben zu erkennen, âdass dem TSG das damals durchaus zeitgemĂ€Ăe Konzept âTranssexualitĂ€tâ zugrundeâ gelegen habe. Es habe âauf einer (pathologisierenden) Vorstellung von TransidentitĂ€t als psychischer Störungâ aufgebaut, die an einige âSchlĂŒsselsymptome geknĂŒpftâ gewesen sei. Inzwischen habe âdie Sexualforschung diese Diagnostik revidiertâ und neue Begriffe hĂ€tten sich etabliert. Auch sei es âzu Revisionen des TSG durch das BVerfGâ gekommen, das bis 2012 acht Mal âmit Fragen von TransidentitĂ€tâ befasst gewesen sei.
Dennoch bleibe ânoch Einiges zu tunâ. Adamietz meint, âtemporĂ€re Geschlechtswechsel sollten Teil einer möglichen und anerkennungsfĂ€higen TransidentitĂ€t seinâ, aber dafĂŒr biete âdas TSG mit seiner jetzigen Voraussetzung der Dauerhaftigkeit keinen Raumâ. Zwar seien Ănderungen âso niederschwellig wie nieâ möglich, aber einfach sei ein ârechtlicher Geschlechtswechsel dennoch nichtâ. Den Betroffenen werde noch immer âein langwieriges und kostspieliges Verfahrenâ auferlegt. Auch befĂŒrchtet sie, âdass sich die ohnehin schon problematische Gutachterpraxisâ verschĂ€rfen könnte, gibt aber zugleich ihrer Hoffnung Ausdruck, âdass das TSG in einer GesamtĂŒberarbeitung noch von weiteren diskriminierenden, aber bisher noch nicht angegriffenen Regelungen bereinigtâ werde.cite-ref-adamietz-04-83-0[78]
In einem gesonderten Abschnitt befasst sich Adamietz ausfĂŒhrlich mit den gesetzlichen Regelungen zum Thema IntersexualitĂ€t. Auch hierbei gehe es âum die Anerkennung einer normabweichenden Geschlechtszugehörigkeitâ. Zwar sei mit der âEinfĂŒhrung des BĂŒrgerlichen Gesetzbuches (BGB)â der Begriff des âZwittersâ aus dem âdeutschen Rechtssystem verschwundenâ, doch sei âdie Eintragung eines weder mĂ€nnlichen noch weiblichen Geschlechts in Geburtsregister, -urkunde und Pass [âŠ] bisher noch nicht erreichtâ worden. Allerdings wĂŒrden sich aufgrund der âöffentliche[n] Aufmerksamkeitâ inzwischen Bundestag, Landesparlamente und âjĂŒngst der Deutsche Ethikrat im Auftrag der Bundesregierungâ mit dieser Thematik beschĂ€ftigen â noch ohne gesetzgeberische âInitiativeâ. Deswegen hofft Adamietz, dass das BVerfG auch hier âzum Wegbereiterâ werde. âNach heutigem Rechtâ gelte, âdass das Geschlecht eines Menschen registriert werdenâ und im Geburtsregister ein âbinĂ€r codiertes Geschlechtâ eingetragen werden mĂŒsse. Auch bestehe âRegelungsbedarfâ, weil immer noch âKinder mit uneindeutigen Genitalien an diesen operiertâ wĂŒrden, âbevor sie EinwilligungsfĂ€higkeit erlangtâ hĂ€tten. Das Bundesverfassungsgericht habe, so Adamietz, mit seiner âachten Entscheidung zur TransidentitĂ€t [âŠ] die Rechtskategorie âGeschlechtâ auf radikale Weise dekonstruiert und denaturalisiert, indem es ihr die Notwendigkeit einer körperlichen Basis abgesprochenâ habe.cite-ref-adamietz-05-84-0[79]
Die rechtspolitische Diskussion befasse sich, so Adamietz zusammenfassend, mit âder straf-, medizin- und sorgerechtlichen Regulierungâ im Rahmen vielfĂ€ltiger Fallkonstruktionen. Dabei werde âder Ruf nach der Möglichkeitâ eines Geschlechtseintrages laut, âder weder mĂ€nnlich noch weiblichâ definiert wĂ€re. Damit solle âzwischengeschlechtlichen Identifikationenâ eine ârechtliche Anerkennungâ verliehen werden. FĂŒr âvielversprechenderâ hĂ€lt Adamietz eine âUtopie, auf die Geschlechtszuweisung und -erfassung ganz zu verzichtenâ und fragt: âWozu braucht das Recht âGeschlechtâ?âcite-ref-adamietz-06-85-0[80]
Sexualwissenschaftliche Aspekte
âGeschlechtsidentitĂ€t wird thematisiert, wenn Unsicherheit auftrittâ.cite-ref-richter-1-86-0[81] Auf diese einfache Formel bringt die Psychoanalytikerin und Sexualwissenschaftlerin Hertha Richter-Appelt in ihrem Artikel GeschlechtsidentitĂ€t und -dysphorie die öffentliche Diskussion zum Thema. Verunsicherung könne entstehen, wenn beispielsweise Unfruchtbarkeit Fragen aufwerfe, Körper und Körpererleben nicht ĂŒbereinstimmten oder Irritationen auftauchten, weil der Körper nicht eindeutig als mĂ€nnlich oder weiblich zu identifizieren sei.
Auch Richter-Appelt erwĂ€hnt, dass in der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts eine âbinĂ€re Vorstellung von Geschlecht [âŠ] das Denkenâ bestimmt habe. Ziel medizinischen und psychologischen Wirkens sei âeine stabile mĂ€nnliche oder weibliche GeschlechtsidentitĂ€tâ gewesen. Dabei wurden âBegriffe der psychosexuellen Entwicklungâ, wie BinaritĂ€t oder GeschlechtsidentitĂ€t weder âdefiniertâ noch âhinterfragtâ und âuneinheitlich verwendetâ.cite-ref-richter-1-86-1[81]
Da sich an der uneinheitlichen Verwendung der Begriffe nicht viel geÀndert habe, schlÀgt Richter-Appelt folgende Definitionen vor:cite-ref-richter-1-86-2[81]
âą geschlechtstypisches Verhalten: âbei einem Geschlecht hĂ€ufig beobachtete Verhaltensweisenâ.
âą geschlechtsspezifisches Verhalten: tritt âjeweils nur bei einem Geschlecht aufâ (z. B. Stillen eines Kindes)
âą Geschlechtsrolle: âGesamtheit der kulturell erwarteten, als angemessen betrachteten und zugeschriebenen FĂ€higkeiten, Interessen, Einstellungen und Verhaltensweisen des jeweiligen Geschlechtsâ. All dies unterliege âeinem Wandel innerhalb der und zwischen den Kulturenâ.
âą GeschlechtsidentitĂ€t: âdas subjektive GefĂŒhl eines Menschen, sich als Mann oder Frau (oder dazwischen) zu erlebenâ. Ein solches GefĂŒhl finde sich âzu allen Zeiten und in allen Kulturenâ.
âą GeschlechtsrollenidentitĂ€t: âdie öffentliche Manifestation der GeschlechtsidentitĂ€t einer bestimmten Person in einem bestimmten Rollenverhaltenâ. Damit werde âalles, was eine Person sagt oder tutâ zusammengefasst, was zeigen soll, ob und wie weit sich jemand welchem Geschlecht âzugehörig erlebtâ.
âą Sexuelle IdentitĂ€t: âdas subjektive Erleben einer Person als hetero-, homo-, bi- oder asexuellâ.
âą Sexuelle PrĂ€ferenz: âbeschreibt, wodurch eine Person sexuell erregt wirdâ.
âą Sexuelle Orientierung: betrifft âdie Partnerwahlâ. Meist stimme sie âmit der sexuellen IdentitĂ€t ĂŒberein.â
AusfĂŒhrlich befasst sich Richter-Appelt mit der Inter- und der Transgeschlechtlichkeit. Unter dem Begriff der IntersexualitĂ€t âwerden eine Reihe unterschiedlicher PhĂ€nomene zusammengefasst, bei denen die geschlechtsdeterminierenden und -differenzierenden Merkmale des Körpers (Chromosomen, Gene, KeimdrĂŒsen, Hormone, Ă€uĂere Geschlechtsorgane und Geschlechtsmerkmale) nicht alle dem gleichen Geschlecht entsprechen.âcite-ref-richter-1-86-3[81] DarĂŒber hat die Autorin gesondert veröffentlicht.cite-ref-richter-p1-87-0[82] Bei den âverschiedenen Formen der IntersexualitĂ€tâ stelle die âVorhersage der GeschlechtsidentitĂ€tâ ein âbesonderes Problemâ dar. Personen mit IntersexualitĂ€t seien âin ihrem Geschlechtserleben oft nicht eindeutigâ und wĂŒrden deshalb auch keine Eindeutigkeit zum Ausdruck bringen. IntersexualitĂ€t wird als âStörung der Geschlechtsentwicklungâ verstanden, was von âden Betroffenen [âŠ] kritisiertâ werde. Diese Menschen seien âoft bereits in der frĂŒhen Kindheit einem Geschlecht zugewiesen (gender allocation) und körperlich angeglichen (sex assignment)â worden â in der âHoffnung, auch die Entwicklung einer ungestörten, dem angepassten Geschlecht entsprechende GeschlechtsidentitĂ€t zu gewĂ€hrleistenâ.cite-ref-richter-quelle-88-0[Anm. 6]
Ăber die Frage, wann von TranssexualitĂ€t gesprochen werden kann, herrscht Uneinigkeit. Personen mit TranssexualitĂ€t wĂŒrden, so Richter-Appelt âin der Regel den gesunden mĂ€nnlichen oder weiblichen Körper dem subjektiv erlebten Geschlecht mehr oder minder anpassenâ wollen. âSeit die geschlechtsanpassenden Operationen keine notwendige Voraussetzung fĂŒr eine PersonenstandsĂ€nderung mehr darstellen, kann ein deutlicher RĂŒckgang beziehungsweise eine verzögertes Anstreben genitalchirurgischer Eingriffe vor allem bei Ă€lteren Personen beobachtet werden.â Der Begriff TranssexualitĂ€t werde kritisiert, weil es nicht um SexualitĂ€t, sondern um IdentitĂ€t gehe und so werde hĂ€ufig von TransidentitĂ€t oder Transgender gesprochen. âIm internationalen medizinischen Klassifikationssystemâ (ICD) sei âvon einer Störung der GeschlechtsidentitĂ€tâ die Rede. Eine sogenannte Geschlechtsdysphorie (siehe Dysphorie und GeschlechtsidentitĂ€tsstörung) hĂ€tten Inter- oder Transsexuelle, die unter einer âIrritation des subjektiven Geschlechtserlebensâ leiden,cite-ref-richter-1-86-4[81] was aber nicht bei allen der Fall sei.
Zur Entwicklung der GeschlechtsidentitĂ€t als einem Aspekt âdes IdentitĂ€tserlebensâ â also der Frage âWer bin ich?â â erinnert Richter-Appelt an zahlreiche EinflussgröĂen, die an ihrer Herausbildung beteiligt sind: âKörperlich-biologische Faktorenâ ebenso wie âpsychische und soziale Bedingungenâ, aber auch âHormone als Folge von genetischen und epigenetischen PrĂ€dispositionenâ neben âErziehungsmaĂnahmen der Eltern und Identifizierungen und Selbstkategorisierungen des Kindes.â Hinzu kĂ€men âkulturelle Normen und Geschlechtsrollenerwartungenâ.cite-ref-richter-2-89-0[83]
Das medizinische und psychologische Handeln Mitte des 20. Jahrhunderts wurde in spĂ€teren Jahren teilweise harsch kritisiert. Dazu erinnert Richter-Appelt daran, âwie sehr Menschen mit entweder nicht eindeutigem Geschlecht, aber auch diejenigen Menschen, die den Körper als nicht ihrem Geschlecht entsprechend empfanden, darunter gelitten haben.â Ărzte und Psychologen âverfolgten das Ziel, dieses Leid zu lindern.â Den Konzepten dieser Zeit lag âein binĂ€res VerstĂ€ndnis von Geschlecht zugrundeâ, dem âTherapeuten, Endokrinologen und Chirurgenâ ebenso wie Psychoanalytiker unterlagen. âErfahrungen der vergangenen Jahreâ, so stellt Richter-Appelt fest, âhaben uns eines Besseren belehrtâ. In der Psychoanalyse des 21. Jahrhunderts gehe es âum eine multifaktorielle Determinierung des IdentitĂ€tserlebens, das sehr viel vielfĂ€ltiger ausfallen kann als ausschlieĂlich mĂ€nnlich oder weiblich.âcite-ref-richter-3-90-0[84]
FĂŒr die Entwicklung der GeschlechtsidentitĂ€t gehe man inzwischen davon aus, âdass sie in vielen FĂ€llen weitgehend konfliktfrei erlebt wirdâ. In anderen FĂ€llen könne es âzu unterschiedlichen Zeitpunkten der Entwicklung [âŠ] zu einem Hinterfragen, zu einer Dysphorie kommenâ. Irritationen könnten âsowohl durch biologische Faktoren, die bisher nur wenig bekannt sind, etwa genetische, hormonelle Prozesse, durch Erfahrungen im Umgang mit dem Körper, durch Selbst- und Fremdkategorisierungen und entwicklungsbedingte Konflikte, vor allem aber durch Beziehungserfahrungen beeinflusst werden.âcite-ref-richter-3-90-1[84]
âEin zentrales Thema in der psychoanalytischen Auseinandersetzung mit der Entwicklung der GeschlechtsidentitĂ€t ist die Frage der Beziehungsgestaltung. Bereits in der Kindheit wird die Grundlage gelegt, welche Beziehungen im Laufe des Lebens gelebt werden können. Sowohl die Psychoanalyse wie auch die Bindungstheorie nehmen an, dass frĂŒhe Beziehungserfahrungen wichtig sind fĂŒr das GeschlechtsidentitĂ€tserleben. Supportives, responsives Verhalten und prĂ€sente Bezugspersonen in der Kindheit sind Grundlage fĂŒr ein selbstsicheres IdentitĂ€tserleben.â
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Hertha Richter-Appelt
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GeschlechtsidentitÀt und -dysphorie
Das Kind nimmt in seinen ersten Lebensjahren, die eigene âKörperlichkeitâ gleichsam in Besitz; es komme, wie Richter-Appelt es nennt, zu dem âEntwurf einer Topografie lustvoller Erfahrungenâ. Unter Abweichungen wĂŒrden in der Regel zunĂ€chst nicht die Kinder leiden, sondern ihre Eltern. Treten Abweichungen auf, seien die Kinder EinflĂŒssen ausgesetzt, die Angst erzeugen können, nicht angenommen oder ânicht begehrtâ zu werden. Dadurch könne es âzu einer Verunsicherung in der IdentitĂ€tsentwicklungâ kommen.cite-ref-richter-4-91-1[85] Das âErleben der Andersartigkeitâ könne âschon frĂŒh zu einer Vereinsamung fĂŒhrenâ. Andererseits habe sich gezeigt, âdass ein toleranter Umgang mit nicht geschlechtsspezifischen Interessen und Verhaltensweisen zu einer stabileren Entwicklung des Selbst fĂŒhren kann und dann die so oft befĂŒrchtete Stigmatisierung als weniger traumatisierend erlebtâ werde. âEin bewusster und offener Umgang mit der spezifischen Situation und die Akzeptanz des Kindes in seiner Besonderheit könnten die Grundlage fĂŒr eine möglichst ungestörte Entwicklung darstellen.âcite-ref-richter-5-92-0[86]
Medizinhistorische Aspekte
âObwohl sich Organisationen intergeschlechtlicher Menschen dagegen seit Langem wehren, gilt ein â gemessen an der Norm des mĂ€nnlichen und weiblichen Geschlechts â âuneindeutigesâ Geschlecht noch immer als krankhaft und behandlungsbedĂŒrftig. Medizinische AutoritĂ€t, Glaube an die medizinisch-technische Machbarkeit, gesellschaftlicher Anpassungsdruck und die Haltung der Politik bilden ein Konglomerat, das ein Umdenken verhindert â auf Kosten der körperlichen Unversehrtheit und des Selbstbestimmungsrechts intergeschlechtlicher Menschen.â
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Ulrike Klöppel
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Medikalisierung âuneindeutigenâ Geschlechts
Mit diesen Worten leitet Klöppel âfĂŒr den deutschsprachigen Raumâ ihre medizinhistorischen Betrachtungen zu der Frage ein, wie sich âdie medizinische Definitionsmacht ĂŒber IntersexualitĂ€t historisch durchsetzenâ konnte. âZentral dafĂŒr war [âŠ] die Konstruktion der âGeschlechtsidentitĂ€tâ als psychischer EntitĂ€t Mitte des 20. Jahrhunderts.âcite-ref-kloeppel-1-93-1[87]
Bereits im 16. Jahrhundert habe es die ersten âVersuche der Medikalisierung âuneindeutigenâ Geschlechtsâ gegeben. Klöppel versteht darunter den âselbstproklamierte[n] Anspruch der Ărzteâ, nur sie seien befĂ€higt, in zweifelhaften FĂ€llen eine âGeschlechtszuweisung [âŠ] vorzunehmenâ. Die ZweifelsfĂ€lle wĂ€ren seinerzeit Hermaphroditen genannt worden. Ihre Zuweisung zu einem der beiden eindeutigen Geschlechter sei âeine Frage wissenschaftlicher Wahrheit [âŠ], dessen Lösung genaue anatomische Kenntnisse erfordere und folglich in die alleinige ZustĂ€ndigkeit akademisch geschulter Heilkundiger gehöreâ. Dieser Anspruch der Ărzte sei jedoch âbis ins 19. Jahrhundert hineinâ ohne âpraktische Konsequenzenâcite-ref-kloeppel-2-94-0[88] geblieben und sei möglicherweise der âim deutschsprachigen Raum uneinheitliche[n] Rechtslageâ geschuldet.
âDer Bayerische Codex Maximilianeus Civilis von 1756 schrieb vor: âHermaphroditen werden dem Geschlecht beygezehlt, welches nach Rath und Meinung deren VerstĂ€ndigen vordringt; falls sich aber die Gleichheit hierin bezeigt, sollen sie selbst eines erwĂ€hlen, und von dem ErwĂ€hlten sub Poena Falsi (unter Drohung der Strafe fĂŒr Meineid, U. K.) nicht abweichen.ââ
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Ulrike Klöppel
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Medikalisierung âuneindeutigenâ Geschlechts
Daneben sah auch âParagraf 20 des Allgemeinen Landrechts fĂŒr die PreuĂischen Staaten von 1794â ein âWahlrecht fĂŒr erwachsene Hermaphroditenâ vor â ebenfalls ohne Pflicht, einen SachverstĂ€ndigen zu befragen. âNur in rechtlichen StreitfĂ€llen war ein SachverstĂ€ndigenurteil erforderlichâ. Ăber den Beruf der SachverstĂ€ndigen hĂ€tten beide Gesetze jedoch nichts ausgesagt, so dass auch Hebammen âvon Gerichten herangezogen werdenâ konnten. Diese allerdings seien nach den sogenannten Hebammenordnungen verpflichtet gewesen, âim Falle von âMissgeburtenâ, zu denen auch Hermaphroditen zĂ€hlten, einen Arzt hinzuzuziehenâ, was in der Praxis aber kaum geschehen sei. So bringt Klöppel den Anspruch der Ărzte, ânur sie seien fĂ€hig und befugt, die Geschlechtszuweisung von Hermaphroditen vorzunehmenâ mit dem Versuch in Verbindung, âauf diese Weise ein weiteres ZustĂ€ndigkeitsfeld gegenĂŒber der Konkurrenz der Hebammen, Barbiere und der nicht akademisch ausgebildeten Chirurgen hinzuzugewinnenâ.cite-ref-kloeppel-2-94-2[88]
Nach der GrĂŒndung des Deutschen Reichs im Jahr 1871 habe sich die ârechtliche Situation von Hermaphroditen [âŠ] komplettâ geĂ€ndert. Das Personenstandsgesetz wurde eingefĂŒhrt und ihr âGeschlechtswahlrechtâ entfiel. Die Gesetze sahen eine eindeutige Zuordnung zu einem Geschlecht vor, obwohl âfĂŒhrende Wissenschaftler davon aus[gingen], dass es ein Kontinuum der Geschlechter gebe, in welchem die verschiedenen Varianten des Hermaphroditismus die Zwischenstufen verkörpertenâ. Zu den Vertretern dieser Position gehörte Rudolf Virchow. Er habe, gemeinsam mit anderen gefordert, âdass der Gesetzgeber eine Lösung fĂŒr die standesamtliche Registrierung solcher Menschen schaffen mĂŒsseâ und das Geschlechtswahlrecht wieder eingefĂŒhrt werde. VorstöĂe einiger Juristen, âdie Rechtslage zu Ă€ndern, konnten sich nicht durchsetzenâ. Das Recht forderte âeine eindeutige Zuweisung, ĂŒberlieĂ aber der Medizin, die Beurteilungskriterien dafĂŒr festzulegenâ. So hĂ€tten die Ărzte âtatsĂ€chlich die Rolle, die sie seit dem 16. Jahrhundert gefordert hattenâ erhalten. Dazu habe auch der RĂŒckgang der Hausgeburten beigetragen. Sie waren um das Jahr 1900 âvorherrschendâ gewesen. âKlinikentbindungenâ stiegen in den folgenden 30 Jahren auf âungefĂ€hr 50 Prozentâ und betrugen 1970 âfast 100 Prozentâ.cite-ref-kloeppel-3-95-0[89]
âFĂŒr die tatsĂ€chliche Durchsetzung der medizinischen Expertenstellung war [âŠ] die Entwicklung ab Mitte des 20. Jahrhunderts entscheidend.â IntersexualitĂ€t sei der ânun gĂ€ngige Terminusâ gewesen. Von der Ărzteschaft in Deutschland sei beklagt worden, âdass es keine wissenschaftlichen Kriterien fĂŒr die Geschlechtszuweisung von Intersexuellenâ gebe, weshalb die Mehrzahl vorgeschlagen habe, âĂ€rztliche Eingriffe am âsubjektivenâ Geschlecht zu orientierenâ und âgenitalplastischeâ Operationen im Kindesalter zu versagen, auch âwenn die Eltern dies wĂŒnschtenâ. Technisch war es inzwischen âkein Problem mehr [âŠ], âuneindeutigeâ Genitalien chirurgisch und hormonell an die mĂ€nnliche respektive weibliche Norm anzugleichenâ. Geschah dies auf Wunsch der Eltern âin einzelne[n] FĂ€llenâ doch, habe sich âscharfe Kritikâ in der Ărzteschaft geregt, obwohl âGenitalplastiken im Kindesalterâ aus anderen GrĂŒnden als der IntersexualitĂ€t âkeineswegs grundsĂ€tzlich tabuâ gewesen seien. Es war empfohlen, âbei intersexuellen Kindern mit chirurgischen Eingriffen bis mindestens in die PubertĂ€t abzuwartenâ â âbis die seelische Einstellung erkennbarâ wĂ€re.cite-ref-kloeppel-4-96-0[90]
Anders habe es in Ăbersee ausgesehen, wo âam Baltimorer Johns Hopkins Hospital in den USA Genitaloperationen an intersexuellen Kindern bereits systematisch durchgefĂŒhrtâ worden seien. Die operierten Kinder wĂ€ren von einer âForschungsgruppe um den Psychologen John Moneyâ untersucht worden.
âSie kam zu dem Ergebnis, dass sich im Babyalter operierte und eindeutig als MĂ€dchen oder Jungen erzogene Personen mit ihrer Geschlechtsrolle identifizierten, ein angepasstes Verhalten und heterosexuelle Orientierung zeigten, und zwar selbst dann, wenn die Zuweisung nicht mit dem biologischen Geschlecht ĂŒbereinstimmte. Daraus leitete die Forschungsgruppe die Theorie ab, dass die PsychosexualitĂ€t durch die Geschlechtszuweisung, die Erziehung und das Körperbild geprĂ€gt wĂŒrden. Eine Einflussnahme sei aber nur in der kritischen Phase der ersten beiden Lebensjahre möglich, danach identifiziere sich das Kind irreversibel als mĂ€nnlich oder weiblich.â
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Ulrike Klöppel
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Medikalisierung âuneindeutigenâ Geschlechts
Die Ăberzeugungen der Mediziner in Deutschland, die âpsychosexuelle Entwicklungâ dieser Kinder sei ânicht vorhersagbarâ, sind laut Klöppel mit diesen Forschungsergebnissen âtheoretisch und praktisch infrage gestelltâ worden. Den neuen Erkenntnissen hĂ€tten sie sich ânicht auf Dauer widersetzenâ können. Money habe ein theoretisches Modell entwickelt, nachdem die âfrĂŒhkindliche soziale PrĂ€gungâ mit der âprĂ€natale[n] Hormonkonstellationâ interagiere, was âschlieĂlich auch die verbliebenen deutschen Kritikerâ ĂŒberzeugt habe. In den 1990er Jahren hĂ€tten sich dann âProteste von Organisationen intergeschlechtlicher Menschenâ Gehör verschafft und âeine gewisse Sensibilisierung der Medizin fĂŒr die Probleme von Genitaloperationen im Kindesalter bewirktâ. Ein âEnde dieser Praxisâ sei aber ânoch nicht in Sichtâ.cite-ref-kloeppel-4-96-2[90]
Klöppel schlussfolgert, dass aus dieser Entwicklung, die nicht nur systematische âGenitaloperationen an intersexuellen Kindernâ hervorgebracht habe, sondern auch eine medizinisch-psychologische âForschung, die darauf zielte, die Einflussfaktoren der psychosexuellen Entwicklung zu isolieren und zu kontrollierenâ, sich âim Verlauf des 20. Jahrhundertsâ als âneue psychische EntitĂ€tâ die GeschlechtsidentitĂ€t herausgebildet habe. Sie sei âdas Resultat eines Konstruktionsprozesses, der um die Jahrhundertwende mit der Herauslösung des psychosexuellen Empfindens aus der Einheit des biologischen Geschlechtsâ begonnen habe. Seitdem gelte eine âeindeutige und stabile affektive Bindung an den mĂ€nnlichen respektive weiblichen Geschlechtsstatusâ als âGrundbedingung psychischer Gesundheit und sozialer Integrationâ. Damit werde ein ânormatives Skript den Körpern und der Psyche intergeschlechtlicher Menschen autoritĂ€râ eingeschrieben.cite-ref-kloeppel-5-97-0[91]
Ethische Aspekte
Michael Wunder hat sich ausfĂŒhrlich mit der âStellungnahme zum Thema IntersexualitĂ€tâcite-ref-ethikrat-98-0[92] des Deutschen Ethikrates befasst, der âein intensiver Dialog mit Betroffenen, Selbsthilfegruppen und Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnenâ einerseits und einige wissenschaftliche Studien andererseits vorausgegangen sei. Geleitet war Wunder durch sein Anliegen, âdas Thema aus der Tabuzone heraus zu holenâ und es âin den Bereich der NormalitĂ€t zu bringenâ.cite-ref-wunder-1-99-0[93]
Die erste Interessenvertretung fĂŒr Intersexuelle sei 1990 unter dem Namen Intersex Society of North America gegrĂŒndet worden.cite-ref-isna-100-0[Anm. 7] Mit einiger zeitlicher Verzögerung seien im âdeutschsprachigen Raumâ Selbsthilfegruppen entstanden, im Jahr 2004 der Verein Intersexuelle Menschen und 2010 der Verein Zwischengeschlecht.cite-ref-vereine-intersex-101-0[Anm. 8] Ihnen seien zahlreiche weitere mit je verschiedenen Schwerpunkten gefolgt, aber einig in ihrer Kritik âan der Einordnung der IntersexualitĂ€t als Krankheitâ.cite-ref-wunder-2-102-0[94]
Der Verein Intersexuelle Menschencite-ref-verein-intersex-103-0[95] habe sich 2008 an den zustĂ€ndigen Ausschuss der Vereinten Nationen gewandt, ĂŒber VerstöĂe gegen die Anti-Diskriminierungskonvention berichtet und VorschlĂ€ge zur âVermeidung und Behebung von KonventionsverstöĂenâ unterbreitet. Daraufhin habe der UN-Ausschuss die Bundesregierung aufgefordert, das internationale Abkommen âzur Beseitigung jeder Form der Diskriminierungâ zu ĂŒberwachen und seine Einhaltung zu gewĂ€hrleisten. In der Folge habe die Bundesregierung im Jahr 2010 den Deutschen Ethikrat damit beauftragt, sich mit diesem Thema in Abgrenzung zu âFragen der TranssexualitĂ€tâ zu befassen,cite-ref-wunder-2-102-1[94] nachdem sich die Interessenvertretungen der Betroffenen bereits zuvor an ihn gewandt hĂ€tten, weil sie unter einem âinvalidierenden Umfeldâ und einer âzu schnell handelnden und bedrohlich erlebten Medizinâ, aber auch unter âgesellschaftlicher Ignoranz und fehlender UnterstĂŒtzungâ litten.cite-ref-wunder-1-99-1[93]
âDer Doppelauftrag der Regierung, einen Dialog zu fĂŒhren und eine Stellungnahme zu erarbeiten, hat sich als ĂŒberaus produktiv und angemessen erwiesen. Der Dialog wurde mit einer umfangreichen Befragung der Betroffenen, an der sich rund 200 Personen beteiligt haben, eingeleitet und mit einer groĂen öffentlichen Anhörung im Juni 2011 sowie einem moderierten Online-Diskurs weitergefĂŒhrt. Hieraus haben sich unzĂ€hlige Anregungen und Informationen, aber auch Kontroversen ergeben, die ebenso wie die Ergebnisse einer systematisierten Befragung von ĂŒber 40 Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen aus den Bereichen der Medizin, des Rechts, der Psychologie, der Ethik und der Philosophie in die öffentliche Stellungnahme eingingen.â
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Michael Wunder
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IntersexualitÀt: Leben zwischen den Geschlechtern
Weil der Begriff IntersexualitĂ€t âweder eindeutig noch unstrittigâ sei und einige Gruppen ihn fĂŒr sich als diskriminierend ablehnen, habe âder Bericht des Deutschen Ethikrates auf den medizinischen Begriff DSDâ zurĂŒckgegriffen, der ânach dem Vorschlag auch deutscher Ethiker und Mediziner als differences of sexual development ĂŒbersetzt und verstanden werden solleâ.cite-ref-wunder-3-104-0[96]
Die âpathologische Sichtweise auf IntersexualitĂ€tâ, die sich in den 1950er Jahren durch die Ergebnisse der Forschungsgruppe um den âamerikanischen Psychologen John Moneyâ etabliert habe, sei erst im Jahr 2005 âinnerhalb der Medizin revidiertâ worden â auf der Chicago Consensus Conference. Hier habe der âWandel im VerstĂ€ndnis von IntersexualitĂ€tâ mit der Forderung nach ethischen âGrundsĂ€tze[n] und Empfehlungen bei DSDâ seinen Anfang genommen. Fortan sollten âchirurgische und hormonelle Eingriffe an Kindern mit uneindeutigem Geschlecht [âŠ] nur noch unter bestimmten Bedingungenâ und einer âzwingenden medizinischen Indikationâcite-ref-ag-ethik-105-0[97] erfolgen. Wann eine solche zu stellen wĂ€re, sei jedoch strittig geblieben. âWissenschaftliche Langzeitstudien zu den Folgen medizinischer Eingriffe bei IntersexualitĂ€t fehlen weitgehendâ.cite-ref-wunder-4-106-0[98]
Zwei âempirische Studien zur LebensqualitĂ€tâ von Intersexuellen hĂ€tten dem Ethikrat vorgelegencite-ref-ethikrat-anhoerung-107-0[99] â die sogenannte Netzwerkstudiecite-ref-netzwerkstudie-108-0[Anm. 9] und die Hamburger Intersex-Studiecite-ref-hamburgstudie-109-0[100] â, eine dritte Erhebung fĂŒhrte er selbst durch.cite-ref-ethikratstudie-110-0[101] âKeine der drei Studien kann fĂŒr sich den Anspruch der ReprĂ€sentativitĂ€t erhebenâ, dennoch könnten, âauch mangels anderer Quellen, die Angaben dieser drei Studien wichtige Anhaltspunkte gebenâ. Etwa 70 bis 80 % âder in diesen drei Studien erfassten DSD-Betroffenenâ seien âchirurgischen Eingriffen unterzogenâ worden, die meisten davon âin einem nicht zustimmungsfĂ€higen Alterâ. Die Ergebnisse zur âsubjektiv geĂ€uĂerten LebensqualitĂ€tâ seien uneinheitlich, je nachdem, welche Untergruppe in welcher Studie betrachtet werde. SchlĂŒsse hĂ€tten aus den Befunden nur mit âaller gebotenen Vorsichtâ gezogen werden können, dabei je andere fĂŒr die verschiedenen Untergruppen.cite-ref-wunder-5-111-0[102]
Die âForderungen zur Verbesserung der Situationâ durch die Betroffenen weisen eine groĂe Vielfalt auf. Sie reichen von âmehr AufklĂ€rung in der Gesellschaftâ ĂŒber die Einrichtung von âauĂerklinische[n] Kontakt- und Beratungszentrenâ bis zu âfinanzielle[n] und strukturelle[n] Hilfen fĂŒr Selbsthilfegruppen zur Errichtung eines bundesweiten Hilfenetzwerksâ. Aus der Wissenschaft wĂŒrden âinterdisziplinĂ€re Kompetenzzentren zur fachlich bestmöglichen Behandlung der Betroffenen mit mehr Zeit, weniger Entscheidungsdruck und gröĂerer Beachtung der jeweils individuellen UmstĂ€ndeâ gefordert. Wo nötig, wĂŒrden Forderungen fĂŒr MaĂnahmen zur Behebung âmangelhafte[r] Integration und Teilhabe an der Gesellschaftâ erhoben.cite-ref-wunder-6-112-0[103]
âDer Deutsche Ethikrat hat vor dem Hintergrund dieser Befunde eine differenzierte Betrachtung der verschiedenen Untergruppen von DSD vorgenommen und unterscheidet zwischen geschlechtsvereindeutigenden und geschlechtszuordnenden Eingriffen.âcite-ref-wunder-7-113-0[104] Geschlechtszuordnende Operationen âbewertet der Ethikrat als einen Eingriff in das Recht auf körperliche Unversehrtheit und auf Wahrung der geschlechtlichen und sexuellen IdentitĂ€t, ĂŒber die grundsĂ€tzlich nur die Betroffenen selbstâ entscheiden könnten. Insofern solle mit derlei Eingriffen bis zum Erreichen des âentscheidungsfĂ€hige[n] Alter[s]â gewartet werden â sofern nicht âeine schwerwiegende Gefahr fĂŒr die physische Gesundheit des Kindesâ dem entgegenstehe. FĂŒr die âvereindeutigenden Eingriffeâ, die der Ethikrat fĂŒr âweniger gravierendâ hĂ€lt, schlĂ€gt er eine âumfassende AbwĂ€gung der medizinischen, psychologischen und psychosozialen Vor- und Nachteile im Sinne des Kindeswohlsâ vor und âim Zweifelâ, die âEntscheidungsfĂ€higkeit der Betroffenenâ abzuwarten. Der Ethikrat empfiehlt, âdie medizinische Diagnostik und Behandlung von DSD-Betroffenen nur in einem speziell dafĂŒr qualifizierten, interdisziplinĂ€r zusammengesetzten Kompetenzzentrum von Ărzten, Psychologen, Sozialberatern und anderen Experten vorzunehmenâ. FĂŒr die Geschlechtszuordnung wird vorgeschlagen, âneben den Alternativen âweiblichâ und âmĂ€nnlichâ nach australischem Vorbild auch die Kategorie âanderesâ einzufĂŒhren und fĂŒr das Personenstandsregister die Möglichkeit eines spĂ€teren Eintrages vorzusehenâ.cite-ref-wunder-7-113-1[104]
Historische Aspekte
Rainer Herrn,cite-ref-herrn-7-116-0[107] wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut fĂŒr Geschichte der Medizin der CharitĂ© und seit 1991 Mitarbeiter der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, befasste sich â Transvestitismus und Transgeschlechtlichkeit im Fokus â mit der Geschichte des Wunsches nach Verwirklichung eines anderen als des biologischen Geschlechts und lieĂ dabei prominente Sexualwissenschaftler aus dem 19. und 20. Jahrhundert zu Wort kommen.cite-ref-herrn-1-117-0[108]
âCross-Dressing â der Wechsel zur Kleidung des anderen Geschlechts â und, oft damit verbunden, der Wechsel des sozialen Geschlechts sind in der europĂ€ischen Kulturgeschichte seit Langem bekanntâ, weniger allerdings ĂŒber âdie Motive und den sozialen Alltag solcher historischer Personenâ. Lange habe es fĂŒr sie keinen âbezeichnenden Begriffâ gegeben. Sie galten in Deutschland âbis Mitte des 19. Jahrhunderts als Hochstapler und Schwindler, einige wurden gar der Spionage verdĂ€chtigtâ.cite-ref-herrn-1-117-1[108]
Als Cross-Dressing wĂ€hrend des âspĂ€ten 19. Jahrhunderts in den medizinischen Blickâ geriet, sei âauf tradierte Konzepte der Mischgeschlechtlichkeit zurĂŒckgegriffenâ worden, zu denen insbesondere der âHermaphroditismusâ gezĂ€hlt habe. Cross-Dressing sei mit dem âgleichgeschlechtliche[n] sexuelle[n] Begehren der MĂ€nnerâ in Verbindung gebracht worden, âfĂŒr das sich im 20. Jahrhundert der Begriff âHomosexualitĂ€tâ durchsetzteâ. Karl Heinrich Ulrichs â soweit bekannt, der erste bekennende Homosexuelle â habe seine seit 1864 erschienenen âemanzipatorischen Streitschriftenâ gegen die ânach preuĂischem Rechtâ geltende âStrafbarkeit sexueller Handlungen zwischen MĂ€nnernâ verfasst. Seine Schriften âregten um 1870 zunĂ€chst den Berliner Ordinarius und CharitĂ©-Psychiater Carl Westphal und zehn Jahre spĂ€ter dessen Grazer Kollegen Richard von Krafft-Ebing zur BegrĂŒndung der modernen Sexualpathologie anâ. Er âstellte die These von der weiblichen Seele im mĂ€nnlichen Körper aufâ.cite-ref-herrn-2-118-0[109]
âIn der sexualpathologischen Denkrichtung des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts fand eine Koppelung von Cross-Dressing mit gleichgeschlechtlichem Begehren zu einem GesamtphĂ€nomen statt, eben jener âcontrĂ€ren Sexualempfindungâ. Diese neue Diagnose umgreift als Sammelbezeichnung ausnahmslos alle von den Geschlechternormen abweichenden GefĂŒhls- und Verhaltensweisen.â
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Rainer Herrn
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Ver-körperungen des anderen Geschlechts
Ulrichs selbst âlehnte in seinem emanzipatorisch angelegten Konzept [âŠ] jede Krankheitszuschreibung abâ. Eine âsexualpathologische Ausdeutungâ sei erst mit der âRezeption seiner Schriftenâ erfolgt.cite-ref-herrn-2-118-2[109]
Mit der Jahrhundertwende sei es zu einer âzunehmenden Verwissenschaftlichung, Popularisierung und Politisierung der HomosexualitĂ€tâ gekommen. Im Jahr 1897 ist das Wissenschaftlich-humanitĂ€re Komitee etabliert worden und damit âwurde der Homosexuelle in der Ăffentlichkeit ein gelĂ€ufiger Sozialcharakterâ. MitbegrĂŒnder dieser Vereinigung war Magnus Hirschfeld, dessen âForschungen ĂŒber sexuelle Zwischenstufenâ den Begriff der Zwischenstufentheorie hervorbrachte, der sich seit dem Jahr 1903 durchgesetzt habe. Er gab das Jahrbuch fĂŒr sexuelle Zwischenstufen heraus, dessen Ziel es gewesen sei, âĂŒber die ganze FĂŒlle mischgeschlechtlicher Formen zu berichtenâ.cite-ref-herrn-3-119-0[110]
Nicht immer seien Cross-Dresser damit einverstanden gewesen, wenn sie als homosexuell bezeichnet wurden. Sie hĂ€tten das GesprĂ€ch mit Hirschfeld gesucht, der daraufhin seinen âEntwurf des Transvestitismusâ entwickelt habe, mit dem sie von der Gruppe der Homosexuellen unterschieden wurden. Auch die Homosexuellen suchten Abstand zu den Cross-Dressern und hĂ€tten mit ihnen nicht in einer Gruppe zusammengefasst werden wollen. âDas Ziel der Homosexuellenbewegung [war] die Abschaffung des Paragrafen 175 Reichsstrafgesetzbuchs (RStGB).â Aber auch Personen, âdie polizeilich als Transvestiten erkannt wurden, [waren] wegen der âErregung öffentlichen Ărgernissesâ und somit âStörung der öffentlichen Ordnungâ mit empfindlichen Strafen bedrohtâ.cite-ref-herrn-3-119-1[110]
In Berlin habe sich âeine vielfĂ€ltige Transvestitenkultur mit eigenen Lokalen, Treffpunkten, Organisationen und Zeitschriften entfaltetâ und Hirschfeld habe âgemeinsam mit seinem Kollegen Iwan Bloch um 1910 mit der Polizeibehörde eine Ăbereinkunftâ ausgehandelt, ânach der von einer Festnahme abgesehen wurdeâ, sofern ein sogenannter und âĂ€rztlich beglaubigterâ Transvestitenschein vorgelegt werden konnte. Seit dem Jahr 1921 sei es dann âin einem gutachterlichen Verfahrenâ möglich gewesen, âeindeutig auf das Geschlecht verweisende Vornamen durch einen neutralen [âŠ] zu ersetzenâ, was jedoch einige AbhĂ€ngigkeit vom âWohlwollen der Gutachterâ, aber auch âvom VerstĂ€ndnis der Polizei und Justizâ mit sich gebracht habe.cite-ref-herrn-3-119-2[110]
Zur Zeit des Wirkens von Hirschfeld habe es zwar unter den Transvestiten einige gegeben, âdie nicht nur die Kleidung des anderen Geschlechts bevorzugten, sondern sich diesem ganz zugehörig fĂŒhltenâ. Dennoch fĂ€nden sich keine Mitteilungen ĂŒber WĂŒnsche nach geschlechtsanpassenden Operationen, zumal die âgeeigneten Technikenâ noch gar nicht entwickelt waren.cite-ref-herrn-4-120-0[111] Bald aber, noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts, sei es zu einer âBedeutungsaufladung des Geschlechtskörpersâ, wie Herrn es nennt, gekommen und diese habe nicht nur eine âNeudefinition und Aufwertungâ des Körperlichen mit sich gebracht, sondern auch Einfluss auf die âKonstruktion des Selbstâ genommen.
Im Zuge dieser Entwicklungen sei bei jenen, âdie sich dem anderen Geschlecht zugehörig fĂŒhltenâ der zunehmend drĂ€ngende Wunsch nach einer auch âphysischen Umgestaltungâ des eigenen Körpers entstanden. Tiefes Leid hĂ€tte âEinzelneâ dazu veranlasst, âirreversible Umgestaltungen durch invasive Eingriffe â wie sie Kastration und Amputation darstellen â durchzusetzen oder an sich selbst vorzunehmenâ. Die âdazu nötigen Techniken wurden in der um 1900 aufkommenden kosmetischen Medizin entwickeltâ. Noch allerdings sei es nicht um Anpassung an das erwĂŒnschte Geschlecht gegangen, sondern darum, âdie Zeichen des Herkunftsgeschlechts zu tilgenâ. Zunehmend seien Personen, die Cross-Dressing betrieben, von jenen unterschieden worden, die sich gĂ€nzlich âdem anderen Geschlecht zugehörigâ fĂŒhlten. Wissenschaftlicher Protagonist dieser Differenzierung sei der englische Sexualwissenschaftler Havelock Ellis gewesen.cite-ref-herrn-5-121-0[112]
Erste âVersuche operativer Geschlechtsumwandlungâ sollen mit dem Berliner Chirurgen Richard MĂŒhsam begonnen haben, der 1912 einen âvon ihm so bezeichneten weiblichen Transvestitenâ operiert habe und dabei âBrĂŒste und GebĂ€rmutterâ entfernte. Obwohl die âEingriffe aus heutiger Sicht als erste Ă€rztlich ausgefĂŒhrte Geschlechtsumwandlung von Frau-zu-Mann gelten dĂŒrfen, wurden sie damals nicht als solche betrachtetâ. Genaugenommen handelte es sich auch nach heutigem VerstĂ€ndnis dabei noch nicht um eine Geschlechtsumwandlung, da dafĂŒr Weiteres vorausgesetzt wird. Sieben Jahre spĂ€ter eröffnete Hirschfeld â1919 sein Institut fĂŒr Sexualwissenschaftâ und âallein im ersten Jahrâ hĂ€tten âzwölf MĂ€nner um eine Kastrationâ gebeten. Bis auf zwei hĂ€tten alle anderen von ihrem Wunsch abgebracht werden können.cite-ref-herrn-6-122-0[113]
âDie erste komplett dokumentierte Mann-zu-Frau-Geschlechtsumwandlung erfolgte 1920/1921 bei einem Patienten des Hirschfeld-Institutsâ â durchgefĂŒhrt an einem âMedizinstudenten, der mit der Pistole in der Hand mit Suizid drohteâ. FĂŒr Herrn entsprang diese Operation âder individuellen Notlage eines Patienten und medizinischen Omnipotenzphantasienâ der Ărzte. Im Jahr 1931 habe Felix Abraham âin einer ersten medizinischen Veröffentlichungâ ĂŒber âdie Routine der Operationenâ berichtet, die mit âUnterstĂŒtzung des Instituts fĂŒr Sexualwissenschaft erfolgtenâ. Neben Abraham gehörte seit 1925 auch Ludwig Levy-Lenz zu den Mitarbeitern des Instituts. Die âbekannteste dieser frĂŒhen Geschlechtsumwandlungenâ sei âdie des dĂ€nischen Malers Einar Wegenerâ gewesen.cite-ref-herrn-6-122-1[113]
Nach der âMachtĂŒbernahme der Nationalsozialisten 1933â sind die âWĂŒnsche nach Geschlechtsumwandlungâ angeblich verschwunden, so dass âKarl Bonhoeffer 1941 berichteteâ, sie seien ihm im Gegensatz zur Weimarer Zeit nicht mehr begegnet. Ăber das âSchicksal der vor 1933 Operierten liegen keine systematischen Forschungen vorâ.cite-ref-herrn-6-122-2[113]
âErst in den 1950er Jahren setzte in den USA erneut eine medizinische Diskussion ĂŒber die Geschlechtsumwandlung ein, allerdings nicht mit direkten Bezug auf die deutsche VorlĂ€uferschaft, ohne die sie freilich nicht zu denken ist.â
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Rainer Herrn
:
Ver-körperungen des anderen Geschlechts
Bis in die 1960er Jahre habe es gedauert, bis âin beiden deutschen Staaten von âTranssexualismusâ, spĂ€ter von âTranssexualitĂ€tâ gesprochenâ wurde, nachdem âBenjamins Arbeitenâcite-ref-benjamin-123-0[114] rezipiert worden seien.cite-ref-herrn-6-122-4[113] Denn Harry Benjamin hatte den Begriff transsexuality eingefĂŒhrt.
Ethnologische Aspekte
âWas einen Mann oder eine Frau ausmacht, ob zwei oder mehr Geschlechter anerkannt werden, inwieweit Körper, SexualitĂ€t und soziale Rollen als konstitutiv fĂŒr Geschlecht gelten â all dies ist vom jeweiligen kulturellen Kontext abhĂ€ngig und unterliegt Prozessen des kulturellen Wandels. In vielen Gesellschaften, vor allem auĂerhalb Europas, unterscheiden sich Geschlechterkonstruktionen und auch die GrenzverlĂ€ufe zwischen den Kategorien âMannâ und âFrauâ von den uns bekannten Mustern, gibt es temporĂ€re oder auch dauerhafte Alternativen zu geschlechtlicher Eindeutigkeit, die als âdrittes Geschlechtâ bekannt wurden.â
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Susanne Schröter
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GrenzverlÀufe zwischen den Geschlechtern
Unter ethnologischer Perspektive beschreibt Schröter diese GrenzverlÀufe an Beispielen aus Asien, Nordamerika, dem Balkan und Brasilien.
In Indien zĂ€hlen Hijras zu den Angehörigen âdes dritten Geschlechtsâ; es heiĂt, sie seien weit ĂŒber die Landesgrenzen hinaus bekannt. Sie werden âals Intersexuelle bezeichnet und mit einer vergangenen göttlichen Ordnung in Verbindung gebrachtâ. Sie âgelten als mit ĂŒbernatĂŒrlichen KrĂ€fte[n] begabtâ und eine ihrer âvornehmsten Aufgabenâ bestehe darin, âNeugeborene zu segnenâ. DafĂŒr wĂŒrden sie âFamilien, in denen gerade ein Kind geboren wurdeâ, besuchen â mit oder ohne Einladung.cite-ref-schroeter-2-125-0[116]
Entgegen dieser âidealisierten Konzeption spirituell begnadeter Intersexuellerâ wĂŒrden âdie meisten hijras allerdings nicht mit uneindeutigem, sondern mit eindeutig mĂ€nnlichem Geschlecht geborenâ und es seien âHomosexuelle oder Transsexuelleâ. Die âindische Gesellschaftâ akzeptiere âsexuelle mĂ€nnliche Devianz nur in dieser Formâ. Sofern es tatsĂ€chlich Intersexuelle seien, âgelten sie von Natur aus mit dem Heiligen gezeichnetâ. Doch aller âHeiligkeit zum Trotzâ sei ihr Alltag schon immer âdurch ein Leben am Rand der Gesellschaftâ geprĂ€gt. Da sie von Segnungen allein nicht leben könnten, arbeiteten sie âprimĂ€r als aggressive Bettler und Prostituierteâ. Ihre âGemeinschaftenâ glichen âorganisierten Bordellbetriebenâ, âin denen Ausbeutungsstrukturen vorherrschenâ. Obwohl âder religiöse Hintergrund des PhĂ€nomens gern in den Vordergrund gestelltâ werde, sei die âMotivation, hijra zu werden, nur selten religiös begrĂŒndetâ.cite-ref-schroeter-2-125-1[116]
Daneben erwĂ€hnt Schröter ein âpakistanisch-muslimisches Ăquivalent, das khusra genanntâ werde. Auch fĂŒr dieses PhĂ€nomen in Pakistan gebe es ErzĂ€hlungen, deren âWahrheitsgehaltâ von Haniya Rais, einer Anthropologin, bestritten werde. Sie reduziere es âauf eine homosexuelle Subkulturâ, in der IntersexualitĂ€t idealisiert werde und âeine eigene Hierarchieâ konstituiere, âan deren Spitze, nach Rais, diejenigen stehen, die sich dem Kastrationsritual unterzogen haben, wĂ€hrend khusras, die noch nicht kastriert sind, oder temporĂ€re Homosexuelle (zenanas) als weniger rein geltenâ. Khusras seien âhĂ€ufig AnhĂ€nger lokaler Heiligenkulte und praktizieren eine mystisch ausgerichtete Form des Islamâ. Sie wĂŒrden âvon der Bevölkerung, mit der sie leben, geachtetâ.cite-ref-schroeter-2-125-2[116]
âDie Institution der hijras und khusras ist somit kein Zeichen von Liberalismus oder gar der Nicht-Existenz einer rigiden Geschlechterordnung, sondern ein Ventil fĂŒr diejenigen, die aufgrund ihrer Biologie oder ihres devianten Begehrens aus dem vorgegebenen starren Rahmen herausfallen.â
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Susanne Schröter
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GrenzverlÀufe zwischen den Geschlechtern
Auch die Kulturzeitschrift Fikrun wa Fann nahm sich mit einem ausfĂŒhrlichen Artikelcite-ref-fikrun-126-0[117] des dritten Geschlechts in Pakistan an.
In den âindigenen Gesellschaften des nördlichen Amerikasâ, so Schröter, sei die âInstitution des dritten Geschlechts seit dem 16. Jahrhundert ĂŒberliefertâ. DafĂŒr hatten sich zu verschiedener Zeit unterschiedliche Begriffe durchgesetzt, bis sich aufgrund der Kritik von âindianischen Aktivistinnen und Aktivistenâ Ende des 20. Jahrhunderts âdie Bezeichnung two spiritâ durchsetzte. Auch hier gebe es âMythen, die auf einen idealisierten doppelgeschlechtlichen Zustand verweisenâ. Allerdings sei es hier nicht nur um die âsexuelle PrĂ€ferenzâ, sondern auch um eine âgenerelle âTĂ€tigkeitsprĂ€ferenzââ gegangen, denn two spirits strebten auch die âsoziale Rolle des anderen Geschlechts an, dessen Position im Arbeitsprozess und in der Familie, in der Politik und im Kriegâ. In diesem Sinne habe der Anthropologe Thomas Wesley fĂŒr die Navajo von âfĂŒnf verschiedenen Geschlechterrollenâ gesprochen. Bei den Plains-Indianern wurde eine âKriegerinnentraditionâ der sogenannten manly-hearted women (deutsch: Frauen mit MĂ€nnerherz) beschrieben, die âanerkannt und hoch geachtetâ waren, âweil sie sich dort bewĂ€hrt hatten, wo MĂ€nner Prestige erwerbenâ. Auch war bei ânordamerikanischen Indianernâ HomosexualitĂ€t âverpönt, und sexuelle Kontakte waren nur zwischen Personen erlaubt, die als gegengeschlechtlich identifiziert warenâ. Noch heute seien Homosexuelle beiderlei Geschlechts weitgehend mit âAblehnung und Diskriminierung konfrontiertâ.cite-ref-schroeter-3-127-0[118]
Wie andere Autoren weist auch Schröter darauf hin, dass die âĂŒberwiegende Anzahl aller PhĂ€nomene des dritten Geschlechtsâ Menschen betreffe, die âals Mann-zu-Frau-Wechsler bezeichnetâ werden könnten. Warum das so ist, wurde bisher wissenschaftlich nicht aufgeklĂ€rt. Ihr vorletztes Beispiel âder âgeschworenen Jungfrauenâ des sĂŒdlichen Balkansâ stellt insofern eine Ausnahme dar. Es handele âsich um Personen weiblichen Geschlechts, die einen mĂ€nnlichen Habitus pflegen und in ihrer mĂ€nnlichen Rolle von der Gesellschaft anerkannt werdenâ.cite-ref-schroeter-4-128-0[119]
âGeschworene Jungfrauen besitzen einen mĂ€nnlichen Namen, tragen mĂ€nnliche Kleidung, einen mĂ€nnlichen Haarschnitt, rauchen und trinken. Sie gehen ausschlieĂlich âmĂ€nnlichenâ TĂ€tigkeiten wie pflĂŒgen, Holz hacken oder Heu machen nach, tragen Waffen und nehmen an Jagden und kriegerischen Handlungen teil. Ihre Verhaltensweisen entsprechen dem albanischen MĂ€nnlichkeitsstereotyp [âŠ].â
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Susanne Schröter
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GrenzverlÀufe zwischen den Geschlechtern
Bei dem PhĂ€nomen der geschworenen Jungfrauen gehe es â und darĂŒber bestehe âin der Forschung kein Zweifelâ â nicht um eine âinstitutionalisierte Nische fĂŒr weibliche Rebellinnenâ, sondern um die âAufrechterhaltung der patriarchalen heterosexuellen Ordnung in Zeiten des MĂ€nnermangelsâ, auch wenn nicht jede Einzelne âdas Produkt eines familiĂ€ren MĂ€nnermangelsâ wĂ€re. In der Regel hĂ€tten diese Frauen einen Schwur abgelegt, âniemals zu heiraten oder eine sexuelle Beziehung einzugehenâ. Es solle aber âvorgekommen sein, dass âgeschworene Jungfrauenâ sich von ihrem Status verabschiedet und geheiratet habenâ.cite-ref-schroeter-4-128-2[119]
FĂŒr Brasilien beschreibt Schröter eine âBesonderheit âdritterâ Geschlechtlichkeitâ mit den dort sogenannten âtravestisâ. Travestis wĂŒrden sich in Frauen âverwandelnâ, indem sie sich âĂstrogene in hoher Dosierungâ zufĂŒhren und sich âSilikon in BrĂŒste, HĂŒften, Oberschenkel und Poâ injizieren â bis zu â20 Liter sollen dabei verwendet werdenâ. Dabei wĂŒrde âein perfekter weiblicher Körper mit mĂ€nnlichen Genitalienâ entstehen. Travestis seien âsehr stolz auf gelungene Ergebnisseâ und stehen âsozial und sexuell [âŠ] zwischen den Geschlechternâ. Sie hĂ€tten âsexuelle Kontakte, in denen sie aktiv und solche, in denen sie passivâ seien, aber als âProstituierte begegnen sie Kunden, die penetriert werden wollenâ und die sie âdafĂŒr verachtenâ. Privat gehen sie Beziehungen âausschlieĂlich zu âwirklichenâ MĂ€nnern einâ. Geschlechtsumwandlungen âlehnen sie ab, da sie nicht auf maskuline genitale Lust verzichten wollenâ, sie âdistanzieren sich bewusst von Transsexuellen und verstehen sich eindeutig als MĂ€nnerâ. Als Prostituierte âgebĂ€rden sich travestis alles andere als femininâ. Sie seien âbrutal, gewalttĂ€tig und haben einen zweifelhaften Ruf als BeischlafrĂ€uberâ. Insgesamt ergebe sich aus ihrer âSelbstinszenierungâ ein âBild, das in jeglicher Hinsicht auf einer Kombination weiblicher und mĂ€nnlicher Attribute beruht â eine perfekte intersexuelle Konstruktionâ.cite-ref-schroeter-5-129-0[120]
Zusammenfassend stellt Schröter fest, âdass Geschlecht und GeschlechtsidentitĂ€t keineswegs ein universales Muster bildet, das sich biologisch fundieren lieĂeâ.
âIn der wissenschaftlichen Debatte wird die Existenz von drei oder mehr Geschlechtern hĂ€ufig als Indikator fĂŒr eine liberale Geschlechterordnung definiert, die man der vermeintlich repressiveren Ordnung westlicher Gesellschaften entgegensetzt. Das lĂ€sst sich allerdings empirisch nicht bestĂ€tigen. Die Existenz des dritten Geschlechts bestĂ€tigt vielmehr hĂ€ufig explizit ein hegemoniales System heterosexueller Zweigeschlechtlichkeit, welches Homosexuelle zwingt, ihr Geschlecht zu wechseln.â
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Susanne Schröter
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GrenzverlÀufe zwischen den Geschlechtern
Siehe auch
:
Liste von sozialen Geschlechter(rolle)n
Internationale Aspekte
Arn Sauer und Jana Mittag versuchen in ihrem Beitrag ĂŒber GeschlechtsidentitĂ€t und Menschenrechte âden Weg von Unsichtbarmachung, Ausschluss und UnterdrĂŒckung hin zum Sichtbarwerden und zu wertschĂ€tzender Anerkennung von geschlechtlicher und körperlicher Vielfaltâ in internationalen ZusammenhĂ€ngen und unter BerĂŒcksichtigung der Menschenrechte âzu beschreibenâ. Sauer war wĂ€hrend seiner âoffiziellen Besuche der 47 Mitgliedsstaaten des Europarates [âŠ] erschĂŒttert ĂŒber die Wissensdefizite bezĂŒglich der Menschenrechtsbelange von trans Personen, sogar bei politischen EntscheidungstrĂ€gernâ.cite-ref-sauer-1-131-0[122] FĂŒr eine Definition des Begriffes der geschlechtlichen IdentitĂ€t ĂŒbernimmt das Autoren-Team jene der Yogyakarta-Prinzipien:
âUnter âgeschlechtlicher IdentitĂ€tâ versteht man das tief empfundene innere und persönliche GefĂŒhl der Zugehörigkeit zu einem Geschlecht, das mit dem Geschlecht, das der betroffene Mensch bei seiner Geburt hatte, ĂŒbereinstimmt oder nicht ĂŒbereinstimmt; dies schlieĂt die Wahrnehmung des eigenen Körpers (darunter auch die freiwillige VerĂ€nderung des Ă€uĂeren körperlichen Erscheinungsbildes oder der Funktionen des Körpers durch medizinische, chirurgische oder andere Eingriffe) sowie andere Ausdrucksformen des Geschlechts, z. B. durch Kleidung, Sprache und Verhaltensweisen, ein.â
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Hirschfeld-Eddy-Stiftung: Die Yogyakarta-Prinzipien
Die Yogyakarta-Prinzipien stehen âam Ende einer ĂŒber 60-jĂ€hrigen, kontroversen und bis in die jĂŒngste Vergangenheit vorwiegend medizinisch-psychologisch gefĂŒhrten Debatte zur IdentitĂ€tsbestimmung, die Trans- und IntersexualitĂ€t nach wie vor pathologisiertâ. Sie seien im Jahr 2006 âvon einem international besetzten Gremiumâ in der indonesischen Stadt Yogyakarta âentworfen und abgestimmtâ worden und fassten bereits bestehende Standards der Menschenrechte zum Thema GeschlechtsidentitĂ€t zusammen. Von mindestens fĂŒnf Staaten sei bekannt, dass sie ein drittes Geschlecht anerkennen beziehungsweise in ReisepĂ€ssen als Geschlechtseintrag ein "X" vorsehen. Es seien dies Indien, Pakistan, Nepal, Australien und Neuseeland. Im Jahr 2010 sei in der Generalversammlung des Europarates ein Beschluss gefasst worden, der sich gegen die Diskriminierung auch aufgrund von GeschlechtsidentitĂ€t richtet. âEinen Ăberblick ĂŒber nationale Regelungen in mittlerweile 66 LĂ€ndern der Welt gibt das weltweite Mapping der Rechts- und Soziallageâ von Menschen mit einem dritten Geschlecht, das von dem Forschungsprojekt Transrespekt versus Transphobie (TvT) onlinecite-ref-tvt-132-0[123] zur VerfĂŒgung gestellt wurde.cite-ref-sauer-2-133-0[124]
Trotz einer âsich allmĂ€hlich verbessernden internationalen Menschenrechtslageâ seien viele Menschen, die sich einem dritten Geschlecht zugehörig fĂŒhlen, ânach wie vor Ziel von Diskriminierung und Gewalt bis hin zu Kapitalverbrechenâ. Ihre âjuristische sowie medizinischeâ Lage sei in âden meisten LĂ€ndern dieser Weltâ problematisch. Man treffe âhohe Behandlungskostenâ und âvorgeschriebene Operationenâ an â das âniederlĂ€ndische Transsexuellengesetz schreibtâ beispielsweise âdie SterilitĂ€t nach wie vor zwingend vorâ. Die âmedizinischen Diagnosen TranssexualitĂ€t und IntersexualitĂ€tâ fĂŒhrten einerseits zu Stigmatisierungen; sie bildeten aber andererseits âin manchen LĂ€ndern die Basis fĂŒr die Kostenerstattung medizinischer MaĂnahmenâ. Das wiederum âgibt es nur in wenigen LĂ€ndernâ; âQualitĂ€tsstandards fĂŒr Operationen existieren hĂ€ufig nichtâ. Wenn keine âgesundheitliche Betreuung existiertâ, werde nicht selten zur Selbstbehandlung gegriffen, âmit oft gravierenden gesundheitlichen SchĂ€den bis hin zur Todesfolgeâ.cite-ref-sauer-3-134-0[125]
Trotz mancher Gemeinsamkeiten gebe es auch zahlreiche Unterschiede. So litten beispielsweise Transmenschen in vielen LĂ€ndern âunter der Verweigerung gewollter medizinischer Behandlungâ, wĂ€hrend Intersexuelle nicht selten âdurch Zwangsbehandlungen traumatisiertâ wĂŒrden, die oft âim nicht-einwilligungsfĂ€higen Alter ohne tatsĂ€chliche medizinische Notwendigkeitâ durchgefĂŒhrt und meist âals weiblich angelegtâ wĂŒrden. âDie meisten Neo-Genitale weisen â entgegen medizinischer Machbarkeitsversprechen â keine oder keine ausgeprĂ€gte SensibilitĂ€t auf, Unfruchtbarkeit ist oft eine weitere Konsequenzâ. Eine âunkritische EinfĂŒhrung [âŠ] westlicher medizinischer Standardsâ gefĂ€hrde zudem in den âwenigen noch vorhandenen vorkolonialen Gesellschaftenâ existierende Strukturen, in denen Betroffene âgeschĂŒtzt leben könnenâ.cite-ref-sauer-3-134-1[125]
FĂŒr Personenstand und Rechtslage haben sich in den meisten LĂ€ndern den jeweils unterschiedlichen kulturellen Besonderheiten entsprechend verschiedene Regelungen und gesetzliche Grundlagen entwickelt. âVerfahren fĂŒr die Geschlechtseintragung und VornamensĂ€nderungâ seien oft, âwenn ĂŒberhaupt vorhanden, langwierig und bĂŒrokratischâ. In 30 von 61 daraufhin untersuchten LĂ€ndern wĂ€ren âĂnderungen möglichâ, wenn auch an verschiedene âBedingungen geknĂŒpftâ. In der Regel werde die Vorlage psychiatrischer Gutachten gefordert.cite-ref-sauer-3-134-2[125]
In vielen LĂ€ndern wĂŒrden die âBedĂŒrfnisseâ von Menschen mit einem dritten Geschlecht in der âĂffentlichkeit und auch der Politikâ kaum wahrgenommen, âInformationsangeboteâ seien selten und hĂ€ufig wĂŒrden âverschiedene GeschlechtidentitĂ€ten und sexuelle Orientierungenâ ohne Hinweis auf die unterschiedliche Bedeutung âmit HomosexualitĂ€t gleichgesetztâ. Die aber sei âin einer Vielzahl von afrikanischen und islamisch geprĂ€gten Staaten kriminalisiert, die Strafen gehen bis hin zur Todesstrafeâ. Es sei âein besorgniserregender Trend zur Kriminalisierung [âŠ] zu beobachtenâ.cite-ref-sauer-3-134-3[125]
Die sozioökonomische Situation fĂŒr Menschen, die sich einem dritten Geschlecht zugehörig fĂŒhlen, sei oft durch âArmut und Arbeitslosigkeitâ geprĂ€gt und stelle âĂŒberall auf der Welt eine elementare Sorge darâ. Von den Betroffenen seien âvieleâ als Prostituierte tĂ€tig oder ĂŒbernĂ€hmen TĂ€tigkeiten âin anderen illegalen oder gefĂ€hrlichen Untergrundökonomienâ. In manchen LĂ€ndern hĂ€tten sich Nischen entwickelt, jedoch ohne dass sich die materiellen Bedingungen wesentlich verbesserten.
Aufgrund von Trans- oder Homophobie fehle es nicht nur an Respekt, sondern es bleibe fĂŒr Menschen âmit nicht geschlechtskonforme[m] Auftretenâ nicht nur bei Diskriminierung. In vielen LĂ€ndern seien sie erheblicher Gewalt ausgesetzt, âzum Teil von den eigenen Familienâ, in manchen LĂ€ndern drohten âFolter und Mordâ. So seien von 2008 âbis MĂ€rz 2012 weltweit in 55 LĂ€ndern insgesamt 816 Morde [âŠ] mit steigenden Fahlzahlen (sic!) dokumentiertâ.cite-ref-sauer-3-134-4[125]cite-ref-tvt-2-135-0[126] Selten nur âfinden sich öffentliche FĂŒrsprecher, die sich fĂŒr den Schutz der Menschenrechte [âŠ] einsetzenâ. Doch es gebe Ausnahmen. So fĂ€nden sich âPositivbeispieleâ unter anderem âim pazifischen Raumâ.cite-ref-sauer-3-134-5[125]
Noch gebe es fĂŒr Menschen mit Trans- und Intergeschlechtlichkeit keinen umfassenden âMenschenrechtsschutzâ und noch wĂŒrden gegen sie gerichtet weltweit zahlreiche âMenschenrechtsverletzungenâ festgestellt. Sie âhaben Ă€hnliche aber auch unterschiedliche Problemeâ, die nicht immer berĂŒcksichtigt wĂŒrden. Es âexistiert beispielsweise keine empirische Forschung zu den Lebens- und Diskriminierungslagenâ von Intergeschlechtlichen âund nur wenigâ zu Transgeschlechtlichen. Die noch âjungen Emanzipationsbewegungenâ der beiden Gruppen kĂ€mpften âmanchmal zusammen â manchmal getrenntâ um âEntpathologisierung, Entstigmatisierung und als oberstes Primat [um] die Selbstbestimmungsrechte ihrer Mitgliederâ.cite-ref-sauer-4-136-0[127]
Störungen der GeschlechtsidentitÀt
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Hauptartikel
:
GeschlechtsidentitÀtsstörung
Wenn sich die einschlĂ€gige Fachliteratur mit sexuellen IdentitĂ€tsstörungen befasst, wird nicht immer kenntlich gemacht, welcher Bedeutung die verwendeten Begriffe zugewiesen werden. Viele der in diesem Zusammenhang verwendeten Begriffe tauchen weder in der ICD-10, noch im Vokabular der Psychoanalyse von Laplanche und Pontalis auf.cite-ref-vokabular-137-0[128] Auch andere Fach-WörterbĂŒcher kennen nur einige wenige der verwendeten Begriffe. Das mag damit zusammenhĂ€ngen, dass es keine Definition gibt, auf die man sich in den Bezugswissenschaften wie Psychologie, Soziologie oder Sexualwissenschaft geeinigt hĂ€tte. Hinzu kommt, dass in Fachkreisen zwar nach wie vor keine Zweifel daran bestehen, dass es krankheitswertige Störungen der GeschlechtsidentitĂ€t geben kann; doch seit das Thema Transgender in der Ăffentlichkeit breit diskutiert wird, haben sich die damit verbundenen Inhalte verĂ€ndert. Auch ist die Diagnose der frĂŒher sogenannten GeschlechtsidentitĂ€tsstörung aus dem einschlĂ€gigen Diagnosemanual DSM bereits entfernt worden. In der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD) ist sie in der derzeit noch gĂŒltigen Version 10 jedoch noch enthalten.cite-ref-icd-10-138-0[129]
Die seit 2007 in Ăberarbeitung befindliche Version 11 der ICD, deren Veröffentlichung fĂŒr Mai 2018 geplant war,cite-ref-icd-11-139-0[130] wird von den einschlĂ€gigen VerbĂ€nden kontrovers diskutiert. Die Aktion TranssexualitĂ€t und Menschenrecht hatte 2017 âWiderstandâ angekĂŒndigt fĂŒr den Fall, dass sie sich mit ihrer bei der WHO eingereichten Forderung nicht durchsetzen kann, âdie Diagnose âGender incongruence of childhoodâ aus dem kommenden ICD zu streichenâ.cite-ref-atme-140-0[131] Im ICD-11 werden die bisherigen Kategorien durch den neuen Begriff der Geschlechtsinkongruenz ersetzt, wobei diese weiter nach Geschlechtsinkongruenz wĂ€hrend der Kindheit (HA61) und wĂ€hrend der PubertĂ€t oder im Erwachsenenalter (HA60) aufgeschlĂŒsselt wird.
Im DSM-5 ist den krankhaften Störungen der GeschlechtsidentitÀt der Begriff Geschlechtsdysphorie zugeordnet worden.
Als Psychoanalytiker an Fragen der GeschlechtsidentitĂ€t interessiert beschrieb Robert Stoller in seinem 2014 in dritter Auflage herausgegebenen Buch Perversion â Die erotische Form von Hass unter einer zum Zeitpunkt der Erstauflage noch ĂŒblichen binĂ€ren Betrachtung die möglichen Folgen einer unsicheren GeschlechtsidentitĂ€t, nachdem er sich zuvor 20 Jahre lang mit der Frage beschĂ€ftigt hatte, wie sich MĂ€nnlichkeit und Weiblichkeit entwickeln.cite-ref-stoller-141-0[132]
Ebenfalls aus psychoanalytischer Perspektive und in jener Zeit, als eine binĂ€re Sicht auf die Geschlechter in der Wissenschaft noch der Regelfall war, zugleich aber auch mit forensischem Blick war Estela Welldon mit der GeschlechtsidentitĂ€t speziell von Frauen befasst. Ihr Buch Perversionen der Frau beschreibt, welche Folgen eine unsichere GeschlechtsidentitĂ€t bei Frauen haben und unter welchen UmstĂ€nden sie in eine Perversion entgleisen kann. Eine solche stellt sich allerdings bei Frauen völlig anders als bei MĂ€nnern dar.cite-ref-welldon-142-0[133] Die Erforschung der reproduktiven Funktionen und ihrer Bedeutung fĂŒr Personen mit diverser GeschlechtsidentitĂ€t steht aus.
Um frĂŒhe Positionen einer Revision zu unterziehen, richtete die Internationale Psychoanalytische Vereinigung eine Arbeitsgruppe ein, die sich den Namen Committee on Sexual and Gender Diversity Studies gab.cite-ref-ipa-143-0[134] Sie wurde mit der Aufgabe betraut, sich der Herausforderungen anzunehmen, die sich infolge radikaler VerĂ€nderungen in Einstellung und VerstĂ€ndnis von SexualitĂ€t, Sexualobjektwahl und Geschlecht stellen, und zu einem multideterminierten VerstĂ€ndnis beizutragen. Dies geschah laut Hemma Rössler-SchĂŒlein in der Absicht, âDenken und Theoriebildungâ vor möglicher Einengung und Verzerrung zu bewahren, die mit âkulturellen Einstellungen, Ăberzeugungenâ und mit âWahrnehmungen, FehleinschĂ€tzungen und Vorurteilen der Zeit und des Ortes, an dem sie auftretenâ, einhergehen können.cite-ref-roessler-144-0[135]
Im Jahr 2024 wurden die Ergebnisse einer Studie aus der UniversitĂ€t Ulm vorgelegt, die fĂŒr Deutschland sĂ€mtliche ambulanten Abrechnungsdaten aller gesetzlich Versicherten aus den Jahren 2013 bis 2022 auswertete. Es galt, âerste Daten zu Trends in der HĂ€ufigkeit diagnostizierter Störungen der GeschlechtsidentitĂ€t, zur zeitlichen StabilitĂ€t dieser Diagnosen sowie zu psychiatrischen KomorbiditĂ€ten zu erfassenâ, weil es trotz gesellschaftlicher, medialer und wissenschaftlicher Aufmerksamkeit fĂŒr Störungen der GeschlechtsidentitĂ€t âbislang kaum quantitative Datenâ gibt.cite-ref-ulm-145-0[136] Die HĂ€ufigkeit diagnostizierter GeschlechtsidentitĂ€tsstörungen nahm in dem zehn Jahre umfassenden Beobachtungszeitraum um etwa das Achtfache zu, wobei besonders weibliche Jugendliche im Alter zwischen 15 und 19 Jahren betroffen waren.cite-ref-ulm-2-146-0[137] In mehr als 70 % der FĂ€lle war eine weitere psychiatrische Diagnose codiert worden. FĂŒnf Jahre nach Diagnosestellung lag bei mehr als der HĂ€lfte der Betroffenen eine Störung der GeschlechtsidentitĂ€t nicht mehr vor.
Philosophische Position zur Gender-Debatte
Die Philosophin Rebekka Reinhard hat im Juli 2017 gemeinsam mit ihrem Kollegen Thomas VaĆĄek vorgeschlagen, âdie alte Gender-Debatte [zu] begrabenâ. Es sei eine âDebatte um die Geschlechterdifferenzâ und sie sei âideologisch erstarrtâ, âintellektuell fruchtlosâ und befinde sich in einer âSackgasseâ.cite-ref-hohe-luft-147-0[138] Die beiden Autoren des Magazins Hohe Luft fordern âeine grundlegend andere Sichtâ auf die âGeschlechterdifferenz â eine Sicht, die Menschen in ihrer IndividualitĂ€t und FĂ€higkeit zur Selbstbestimmung ernst nimmtâ. Biologische Unterschiede und soziale Normen seien, so die beiden Autoren, nicht das Entscheidende. Vielmehr nĂ€hmen Frauen und MĂ€nner âverschiedene Dinge wichtigâ, und das sei viel mehr als alles andere die âgrundlegende Differenz, welche die Geschlechter voneinander trenntâ. Sie schlagen vor, ĂŒber ein Konzept ânachzudenkenâ, das sie das âethische Geschlechtâ nennen, und das wĂŒrde âauf mĂ€nnlichen und weiblichen Wertenâ beruhen. Dieser Werte könnten sich alle Geschlechter bedienen, unabhĂ€ngig von Biologie oder Sozialisation. Die Autoren kommen zu dem Schluss: âErst wenn mĂ€nnliche und weibliche Werte aufeinanderprallen, ohne dass es dabei um Macht und Unterwerfung ginge, kann die Geschlechterdifferenz ihre fruchtbare Wirkung entfalten â als Differenz zwischen Werten, nicht zwischen MĂ€nner [sic!] und Frauen.â (Rebekka Reinhard, Thomas VaĆĄek: Hohe Luft (2017))cite-ref-hohe-luft-147-1[138]
WeiterfĂŒhrendes
Spezielles (Auswahl)
âą Androgynie
âą Autogynophilie
âą Coming-out
âą Doing Gender
âą Femizid
âą Gender
âą Gender Bias
âą Gendersternchen (Symbol)
âą Genderbibliothek
âą Gender-Marketing
âą Gender Studies
âą Genderzid
âą Heterosexismus
⹠IntersexualitÀt
âą LGBT
âą Queer
âą Queer Studies
âą Queer-Theologie
âą Queer-Theorie
âą Sexismus
âą Sexualmedizin
âą Transgender
⹠TransidentitÀt
⹠TranssexualitÀt
âą Transvestitismus
Philosophisches (Auswahl)
Filme (Auswahl)
âą Aus eines Mannes MĂ€dchenjahren (1919)
âą Geschlecht in Fesseln (1928)
âą In einem Jahr mit 13 Monden (1978)
âą Tootsie (1982)
âą Das verordnete Geschlecht (2001)
âą Be Like Others (2008)
âą Mein Sohn Helen (2015)
Festivals
Kunst
Siehe auch
âą Gesetz zur Ănderung der in das Geburtenregister einzutragenden Angaben (erlassen am 18. Dezember 2018)
Literatur
âą Jessica Benjamin: Phantasie und Geschlecht. Studien ĂŒber Idealisierung, Anerkennung und Differenz. Stroemfeld, Basel 1993, ISBN 3-86109-101-1.
âą Hartmut A. G. Bosinski: Determinanten der GeschlechtsidentitĂ€t. Neue Befunde zu einem alten Streit. In: Sexologie. Band 7, Nr. 2/3, 2000, S. 96â140 (sexualmedizin-kiel.info [PDF; 298 kB; abgerufen am 8. Juni 2017]).
âą Anatol Dutta, Matteo Fornasier: Jenseits von mĂ€nnlich und weiblich â Menschen mit Varianten der Geschlechtsentwicklung im Arbeitsrecht und öffentlichen Dienstrecht des Bundes. Nomos-Verlag, 2020, ISBN 978-3-8487-6733-5. (Online, abgerufen am 4. Februar 2025).
âą Ian W. Craig, Emma Harper, Caroline S. Loat: The Genetic Basis for Sex Differences in Human Behaviour: Role of the Sex Chromosomes. In: Annals of Human Genetics. Vol. 68, Nr. 3, 2004, S. 269â284, doi:10.1046/j.1529-8817.2004.00098.x (englisch).
⹠Michael Ermann: IdentitÀt und Begehren. Kohlhammer, Stuttgart 2019, ISBN 978-3-17-035992-5.
âą Susanne GĂŒnthner, Dagmar HĂŒpper, Constanze SpieĂ (Hrsg.): Genderlinguistik: Sprachliche Konstruktionen von GeschlechtsidentitĂ€t. De Gruyter, Berlin April 2012, ISBN 978-3-11-027287-1 (Aufsatzsammlung; doi:10.1515/9783110272901; Leseprobe in der Google-Buchsuche).
âą Wolfgang Mertens: Entwicklung der PsychosexualitĂ€t und der GeschlechtsidentitĂ€t. Geburt bis 4. Lebensjahr. 3., ĂŒberarbeitete Auflage. Band 1. Kohlhammer, Stuttgart u. a. 1997, ISBN 3-17-014778-1.
âą Wolfgang Mertens: Entwicklung der PsychosexualitĂ€t und der GeschlechtsidentitĂ€t. Kindheit und Adoleszenz. 2., ĂŒberarbeitete Auflage. Band 2. Kohlhammer, Stuttgart u. a. 1996, ISBN 3-17-014065-5.
âą Christa Rohde-Dachser: Spuren des Verlorenen. BeitrĂ€ge zur klinischen Psychoanalyse und zur Geschlechterdifferenz (= Bibliothek der Psychoanalyse). Psychosozial-Verlag, GieĂen 2020, ISBN 978-3-8379-2971-3, doi:10.30820/9783837929713.
âą Volkmar Sigusch: Sexuelle Welten: Zwischenrufe eines Sexualwissenschaftlers. Hrsg.: Martin Dannecker, Gunter Schmidt, Volkmar Sigusch (= BeitrĂ€ge zur Sexualforschung. Band 87). Psychosozial, GieĂen 2005, ISBN 3-89806-482-4.
Weblinks
âą Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung: Aus Politik und Zeitgeschichte. GeschlechtsidentitĂ€t. 2012 (AufsĂ€tze 9 verschiedener Fachautoren, aus APuZ. Nr. 20â21).
Anmerkungen
cite-note-rollenidentitaet-1Anm. 1. â Dazu gehört beispielsweise die Berufsrolle, die ebenso identitĂ€tsstiftend sein kann, wie die Rolle als Elternteil und viele andere mehr, denen jeweils auf eine andere Weise und mit verschiedenen Mitteln Ausdruck verliehen wird.
cite-note-diamond-6Anm. 2. â Milton Diamond, Professor fĂŒr Anatomie und reproduktive Biologie, verknĂŒpfte verschiedene Begriffe (2002): âSexual identity speaks to the way one views him or her self as a male or female. This inner conviction of identification usually mirrors oneâs outward physical appearance and the typically sex-linked role one develops and prefers or society attempts to impose. Gender identity is recognition of the perceived social gender attributed to a person. Typically a male is perceived as a boy or a man where boy and man are social terms with associated cultural expectations attached. Similarly, a female is perceived as a girl or woman.â âDie sexuelle IdentitĂ€t bezieht sich auf die Art und Weise, wie man sich selbst als Mann oder Frau sieht. Diese innere Ăberzeugung der Identifikation spiegelt in der Regel das Ă€uĂere Erscheinungsbild und die typische geschlechtsspezifische Rolle wider, die man entwickelt und bevorzugt oder die einem von der Gesellschaft auferlegt wird. Die GeschlechtsidentitĂ€t ist die Anerkennung des wahrgenommenen sozialen Geschlechts, das einer Person zugeschrieben wird. Typischerweise wird ein Mann als Junge oder Mann wahrgenommen, wobei Junge und Mann soziale Begriffe sind, die mit kulturellen Erwartungen verbunden sind. In Ă€hnlicher Weise wird eine Frau als MĂ€dchen oder Frau wahrgenommen.â Milton Diamond: Sex and Gender are Different. Sexual Identity and Gender Identity are Different. In: Clinical Child Psychology & Psychiatry. Band 7, Nr. 3, 2002, S. 320â334, doi:10.1177/1359104502007003002 (englisch).
cite-note-innere-geschlechtsorgane-17Anm. 4. â siehe beispielsweise Innere weibliche Geschlechtsorgane
cite-note-aeussere-geschlechtsorgane-18Anm. 5. â siehe beispielsweise ĂuĂere weibliche Geschlechtsorgane
cite-note-richter-quelle-88Anm. 6. â Hier gibt Richter-Appelt in FN 4 auf S. 1 ihres Aufsatzes irrtĂŒmlich eine falsche Quelle an. Richtig wĂ€re: Franziska Brunner, Caroline Prochnow, Katinka Schweizer, Hertha Richter-Appelt: Körper- und Geschlechtserleben bei Personen mit kompletter AndrogeninsensitivitĂ€t. In: Z Sex-Forsch. Band 25, Nr. 1. Georg Thieme, Stuttgart u. a. 2012, S. 26â48, doi:10.1055/s-0031-1283940.
cite-note-isna-100Anm. 7. â Auf ihrer Website gibt die Intersex Society of North America als GrĂŒndungsjahr 1993 an.
cite-note-vereine-intersex-101Anm. 8. â Von Wunder unerwĂ€hnt: 1993 wurde in Deutschland der Verband fĂŒr lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, intersexuelle und queere Menschen in der Psychologie (VLSP) gegrĂŒndet und 2003 in Kanada die Organization Intersex International.
cite-note-netzwerkstudie-108Anm. 9. â Zu dieser, offenbar umstrittenen Studie von Eva Kleinemeier und Martina JĂŒrgensen: Erste Ergebnisse der Klinischen Evaluationsstudie im Netzwerk Störungen der Geschlechtsentwicklung/IntersexualitĂ€t in Deutschland, Ăsterreich und Schweiz Januar 2005 bis Dezember 2007; durchgefĂŒhrt im Rahmen des Netzwerks âStörungen der Geschlechtsentwicklung (DSD)/IntersexualitĂ€tâ. 41 Seiten (Memento vom 21. Februar 2016 im Internet Archive) (PDF; 228 kB) auf netzwerk-dsd.uk-sh.de, lĂ€sst sich im Netz eine Quelle finden (9 Seiten (PDF; 2,4 MB) kastrationsspital.ch), deren Herkunft jedoch nicht als gesichert angesehen werden kann. Die Kritik an der Studie geht bis zu ManipulationsvorwĂŒrfen (beispielsweise User Seelenlos: Wie das âNetzwerk DSDâ/âEuro DSDâ die âLĂŒbecker Studieâ frisiert. In: blog.zwischengeschlecht.info, 17. Juni 2009).
Einzelnachweise
cite-note-bosinski-100-21. â Hartmut A. G. Bosinski: Determinanten der GeschlechtsidentitĂ€t. Neue Befunde zu einem alten Streit. In: Sexuologie. Band 7, Nr. 2/3, 2000, ISSN 0944-7105, S. 100 (sexualmedizin-kiel.info [PDF; 298 kB; abgerufen am 9. Juni 2017]).
cite-note-bosinski-130-32. â Hartmut Bosinski: Determinanten der GeschlechtsidentitĂ€t. 2000, S. 130.
cite-note-becker-1-43. â Heinrich-Böll-Stiftung Hessen: Böll Analytics mit Sophinette Becker â IdentitĂ€t! (ab 0:27:18) auf YouTube, 15. Dezember 2018, abgerufen am 19. Juni 2020 (Livemitschnitt des Vortrages vom 4. Dezember 2018).
cite-note-katz-54. â Phyllis A. Katz: Gender Identity: Development and Consequences. In: The Social Psychology of FemaleâMale Relations. Academic Press, 1986, ISBN 0-12-065280-3, S. 22, doi:10.1016/b978-0-12-065280-8.50007-5 (researchgate.net [abgerufen am 2. November 2024]): âThe concept of gender identity has been used widely in a variety of ways, both in the popular and in the scientific literature. Many different terms with both overlapping and distinctive meaning have been used interchangeably. This has been reflective of (and is perhaps contributive to) considerable theoretical confusion in this area.â
cite-note-sigusch-97-75. â Volkmar Sigusch: Sexuelle Welten. Zwischenrufe eines Sexualforschers. Psychosozial, GieĂen 2005, ISBN 3-89806-482-4, S. 97.
cite-note-money-86. â John Money: Cytogenetic and psychosexual incongruities with a note on space-form blindness. In: American Journal of Psychiatry. Band 119, Nr. 9, 1963, S. 820â827 (psychiatryonline.org): âA gender role and identity become established congruously with the sex of assignment.â
cite-note-money-2-97. â John Money: Glossary. In: John Money (Hrsg.): Sex research. New developments. Henry Holt, New York 1965, S. 235â250 (Zum Begriff âgender identityâ siehe S. 240 und 247).
cite-note-greenson-108. â Ralph R. Greenson: On homosexuality and gender identity. In: International Journal of Psycho-Analysis. Nr. 45, S. 217: âoneâs sense of being a member of a particular sex; it is expressed clinically in the awareness of being a man or a male in distinction to being a woman or a female. (The term was formulated in collaboration with Stoller, whose presentation deals with another aspect of this subject.)â
cite-note-stoller-2-119. â Robert Stoller: A contribution to the study of gender identity. In: International Journal of Psycho-Analysis. Nr. 45, 1964, S. 220: âGender identity is the sense of knowing to which sex one belongs, that is, the awareness âI am a maleâ or âI am a femaleâ ⊠The term âgender identityâ was arrived at in joint discussions of a research project on this and allied problems by Greenson and Stoller during which many of the formulations in this paper were worked out.â
cite-note-green-1210. â Richard Green: Sexual Identity Conflict in Children and Adults. Basic Books, 1974, S. xv: â(1) an individualâs basic conviction of being male or female (2) an individualâs behavior which is culturally associated with males or females (masculinity or femininity); and (3) an individualâs preference for male or female sexual partnersâ
cite-note-schorsch-1985-1311. â E. Schorsch, G. Galedary, A. Haag, M. Hauch, H. Lohse: Perversion als Straftat. Dynamik und Psychotherapie. Springer, Berlin u. a. 1985, ISBN 3-540-12468-3.
cite-note-bosinski-96-1513. Hartmut A. G. Bosinski: Determinanten der GeschlechtsidentitÀt. Neue Befunde zu einem alten Streit. In: Sexuologie. Band 7, Nr. 2/3, 2000, ISSN 0944-7105, S. 96 (sexualmedizin-kiel.info [PDF; 298 kB; abgerufen am 8. Juni 2017]).
cite-note-bosinski-108-1914. â Hartmut Bosinski: Determinanten der GeschlechtsidentitĂ€t. 2000, S. 108.
cite-note-bosinski-109-2116. â Hartmut Bosinski: Determinanten der GeschlechtsidentitĂ€t. 2000, S. 109.
cite-note-knight-bettencourt-2217. â Je einen Ăberblick ĂŒber die Forschungsergebnisse zur Frage mĂ€nnlich aggressiven Verhaltens geben G.P. Knight, R.A. Fabes, D.A. Higgins: Concerns about drawing causal inferences from meta-analyses: An example in the study of gender differences in aggression. In: Psychol Bull. Band 119, Nr. 3, 1996, S. 410â421, PMID 8668746 (englisch). B.A. Bettencourt, N. Miller: Gender differences in aggression as a function of provocation: A meta-analysis. In: Psychol Bull. Band 119, Nr. 3, 1996, S. 422â447, PMID 8668747 (englisch).
cite-note-yogyakarta-2-2318. â Heiner Bielefeldt: Geleitwort. In: Hirschfeld-Eddy-Stiftung (Hrsg.): Die Yogyakarta-Prinzipien. Prinzipien zur Anwendung der Menschenrechte in Bezug auf die sexuelle Orientierung und geschlechtliche IdentitĂ€t (= Schriftenreihe der Hirschfeld-Eddy-Stiftung. Band 1). 2008, ISSN 1865-6056, S. 10 (yogyakartaprinciples.org [PDF; 521 kB; abgerufen am 3. November 2024] englisch: The Yogyakarta Principles. Principles on the application of international human rights law in relation to sexual orientation and gender identity. Yogyakarta 2006. Ăbersetzt von Hirschfeld-Eddy-Stiftung mit UnterstĂŒtzung durch Petra SchĂ€fter und das Deutsche Institut fĂŒr Menschenrechte).
cite-note-yogyakarta-241. Die Yogyakarta-Prinzipien. Prinzipien zur Anwendung der Menschenrechte in Bezug auf die sexuelle Orientierung und geschlechtliche IdentitĂ€t. In: Hirschfeld-Eddy-Stiftung (Hrsg.): Schriftenreihe der Hirschfeld-Eddy-Stiftung. Band 1, 2008, ISSN 1865-6056, S. 11, FuĂnote 2 (yogyakartaprinciples.org [PDF; 521 kB; abgerufen am 5. Juli 2017] englisch: The Yogyakarta Principles. Principles on the application of international human rights law in relation to sexual orientation and gender identity. Yogyakarta 2006. Ăbersetzt von Hirschfeld-Eddy-Stiftung mit UnterstĂŒtzung durch Petra SchĂ€fter und das Deutsche Institut fĂŒr Menschenrechte).
cite-note-bosinski-97-2520. â Hartmut Bosinski: Determinanten der GeschlechtsidentitĂ€t. 2000, S. 97.
cite-note-benjamin-01-2621. â Jessica Benjamin: Phantasie und Geschlecht. Studien ĂŒber Idealisierung, Anerkennung und Differenz. Stroemfeld, Basel 1993, ISBN 3-86109-101-1, S. 16 ff.
cite-note-benjamin-02-2722. â Jessica Benjamin: Phantasie und Geschlecht. 1993, S. 16.
cite-note-benjamin-03-2823. â Jessica Benjamin: Phantasie und Geschlecht. 1993, S. 16/17.
cite-note-dyade-3025. â Karl König: Die Fixierung in der Dyade. Hrsg.: P. Buchheim, M. Cierpka, Th. Seifert (= Lindauer Texte. Texte zur psychotherapeutischen Fort- und Weiterbildung. Konflikte in der Triade. Spielregeln in der Psychotherapie. Weiterbildungsforschung und Evaluation). Springer, Berlin u. a. 1995, ISBN 3-540-59161-3, S. 39â50.
cite-note-benjamin-05-3126. â Jessica Benjamin: Phantasie und Geschlecht. 1993, S. 18.
cite-note-benjamin-06-3227. â Jessica Benjamin: Phantasie und Geschlecht. 1993, S. 19.
cite-note-horney-3328. â Karen Horney: Die Psychologie der Frau. 3., unverĂ€nd. Auflage. Dietmar Klotz, Eschborn bei Frankfurt am Main. 2007, ISBN 978-3-88074-488-2 (Originaltitel: Die Psychologie der Frau. 1922.).
cite-note-benjamin-07-3429. â Jessica Benjamin: Phantasie und Geschlecht. 1993, S. 20.
cite-note-bosinski-114-3530. â Hartmut Bosinski: Determinanten der GeschlechtsidentitĂ€t. 2000, S. 114.
cite-note-bosinski-115-3631. â Hartmut Bosinski: Determinanten der GeschlechtsidentitĂ€t. 2000, S. 115.
cite-note-bosinski-131-3732. â Hartmut Bosinski: Determinanten der GeschlechtsidentitĂ€t. 2000, S. 131.
cite-note-bosinski-132-3833. â Hartmut Bosinski: Determinanten der GeschlechtsidentitĂ€t. 2000, S. 132.
cite-note-bosinski-112-4035. â Hartmut Bosinski: Determinanten der GeschlechtsidentitĂ€t. 2000, S. 112.
cite-note-bosinski-112-2-4136. â Um sich einen Ăberblick zu verschaffen, schlĂ€gt Bosinski (auf S. 112) verschiedene Veröffentlichungen vor, darunter: Eleanor E. Maccoby: The two sexes. Growing up apart, coming together. Harvard University Press, Cambridge 1998, ISBN 0-674-91482-1 (englisch). D.N. Ruble, C.L. Martin: Gender Development. In: William Damon (Hrsg.): Handbook of child psychology. 6. Auflage. Band 3. Wiley, New York 2006, ISBN 0-471-27290-6, Social, emotional, and personality development, S. 933â1016 (englisch).
cite-note-bosinski-104-4237. â Hartmut Bosinski: Determinanten der GeschlechtsidentitĂ€t. 2000, S. 104.
cite-note-bosinski-118-4338. â Hartmut Bosinski: Determinanten der GeschlechtsidentitĂ€t. 2000, S. 118.
cite-note-bosinski-113-4439. â Hartmut Bosinski: Determinanten der GeschlechtsidentitĂ€t. 2000, S. 113.
cite-note-sigusch-67-452. Volkmar Sigusch: Sexuelle Welten. Zwischenrufe eines Sexualforschers. Psychosozial, GieĂen 2005, ISBN 3-89806-482-4, S. 67.
cite-note-bundeszentrale-4641. â GeschlechtsidentitĂ€t. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 8. Mai 2012, abgerufen am 4. Mai 2017.
cite-note-bundeszentrale-01-4742. â Anne Seibring: GeschlechtsidentitĂ€t. Editorial. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 8. Mai 2012, abgerufen am 10. April 2017.
cite-note-adamietz-01a-4843. â Laura Adamietz: GeschlechtsidentitĂ€t im deutschen Recht. 2012, S. 1: âEine âGeschlechtsidentitĂ€tâ haben alle Menschen, diese wird aber nur dann thematisiert, wenn sie von der Norm abweicht. Zwei groĂe Fragestellungen der GeschlechtsidentitĂ€t fordern das Rechtssystem heraus: Transgender und Intersex.â
cite-note-bundeszentrale-04-4944. â Carolin KĂŒppers: Soziologische Dimensionen von Geschlecht. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 8. Mai 2012, abgerufen am 10. April 2017: âDie Einteilung in zwei eindeutig voneinander zu unterscheidende Geschlechter strukturiert unseren Alltag. Sie erscheint als ânatĂŒrlicheâ und selbstverstĂ€ndliche Tatsache, stellt sich aber aus soziologischer Perspektive sehr viel komplexer dar.â
cite-note-bundeszentrale-05-5045. â Eckart Voland, Johannes Johow: Geschlecht und Geschlechterrolle: Soziobiologische Aspekte. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 8. Mai 2012, abgerufen am 10. April 2017: âDie Unterteilung in âmĂ€nnlichâ und âweiblichâ hat ihre Berechtigung, wie die Evolutionsgeschichte zeigt. Die Faktoren fĂŒr die individuelle Entwicklung â âAnlagenâ und âUmweltâ â lassen sich nicht unabhĂ€ngig voneinander betrachten.â
cite-note-bundeszentrale-06-5146. â Hertha Richter-Appelt: GeschlechtsidentitĂ€t und -dysphorie. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 8. Mai 2012, abgerufen am 10. April 2017: âGeschlechtsidentitĂ€t wird thematisiert, wenn Unsicherheit auftritt, etwa bei Inter- oder TranssexualitĂ€t. Im Gegensatz zur frĂŒheren Anlage-Umwelt-GegenĂŒberstellung wird mittlerweile von einer multifaktoriellen Determinierung der IdentitĂ€t ausgegangen.â
cite-note-bundeszentrale-11-5247. â Ulrike Klöppel: Medikalisierung âuneindeutigenâ Geschlechts. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 8. Mai 2012, abgerufen am 10. April 2017: âWie konnte sich die medizinische Definitionsmacht ĂŒber IntersexualitĂ€t historisch durchsetzen? Zentral dafĂŒr war, so die These des Beitrags, die Konstruktion der âGeschlechtsidentitĂ€tâ als psychischer EntitĂ€t Mitte des 20. Jahrhunderts.â
cite-note-bundeszentrale-07-5348. â Michael Wunder: IntersexualitĂ€t: Leben zwischen den Geschlechtern. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 8. Mai 2012, abgerufen am 10. April 2017: âDer Deutsche Ethikrat hat eine Stellungnahme zum Thema IntersexualitĂ€t vorgelegt. Vorausgegangen war ein intensiver Dialog mit Betroffenen, Selbsthilfegruppen und Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen.â
cite-note-bundeszentrale-08-5449. â Rainer Herrn: Ver-körperungen des anderen Geschlechts â Transvestitismus und TranssexualitĂ€t historisch betrachtet. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 8. Mai 2012, abgerufen am 10. April 2017: âDer Wechsel zur Kleidung des anderen Geschlechts und, oft damit verbunden, der Wechsel des sozialen Geschlechts sind in der europĂ€ischen Geschichte seit Langem bekannt, gerieten aber erst im spĂ€ten 19. Jahrhundert in den medizinischen Blick.â
cite-note-bundeszentrale-09-5550. â Susanne Schröter: GrenzverlĂ€ufe zwischen den Geschlechtern aus ethnologischer Perspektive. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 8. Mai 2012, abgerufen am 10. April 2017: âOb zwei oder mehr Geschlechter anerkannt werden, ist vom jeweiligen kulturellen Kontext abhĂ€ngig. In vielen Gesellschaften, vor allem auĂerhalb Europas, unterscheiden sich Geschlechterkonstruktionen von den uns bekannten Mustern.â
cite-note-bundeszentrale-10-5651. â Arn Sauer, Jana Mittag: GeschlechtsidentitĂ€t und Menschenrechte im internationalen Kontext. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 8. Mai 2012, abgerufen am 10. April 2017: âIm internationalen Menschenrechtsschutz hat sich Vieles zum Positiven entwickelt. Zugleich aber lĂ€sst die geschlechtliche Vielfalt und RandstĂ€ndigkeit von Trans* und Inter* sie weiterhin zum Ziel von Diskriminierung und Gewalt werden.â
cite-note-kueppers-6-5752. â Carolin KĂŒppers: Soziologische Dimensionen von Geschlecht. In: GeschlechtsidentitĂ€t. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 8. Mai 2012, S. 6, abgerufen am 5. Mai 2017.
cite-note-kueppers-1-5853. â Carolin KĂŒppers: Soziologische Dimensionen von Geschlecht. 2012, S. 1.
cite-note-villa-5954. â Paula-Irene Villa: Der groĂe kleine Unterschied. EinfĂŒhrung in die sozialwissenschaftliche Geschlechterforschung. zit. nach KĂŒppers 2012, S. 1.
cite-note-kueppers-2-6055. Carolin KĂŒppers: Soziologische Dimensionen von Geschlecht. 2012, S. 2.
cite-note-christiansen-6156. â Kerrin Christiansen: Biologische Grundlagen der Geschlechterdifferenz. In: Ursula Pasero, Frederike Braun (Hrsg.): Konstruktion von Geschlecht. Centaurus, Pfaffenweiler 1995, ISBN 3-8255-0016-0, S. 13â28. zit. nach KĂŒppers 2012, S. 2.
cite-note-schmitz-6257. â Sigrid Schmitz: Wie kommt das Geschlecht ins Gehirn? Ăber den Geschlechterdeterminismus in der Hirnforschung und AnsĂ€tze zu seiner Dekonstruktion. In: Forum Wissenschaft. 20. Mai 2005, abgerufen am 5. Mai 2017. zit. nach KĂŒppers 2012
cite-note-kueppers-3-6358. â Carolin KĂŒppers: Soziologische Dimensionen von Geschlecht. 2012, S. 3.
cite-note-kueppers-4-6459. â Carolin KĂŒppers: Soziologische Dimensionen von Geschlecht. 2012, S. 4.
cite-note-achs-6560. â Gitta MĂŒhlenâAchs: Geschlecht bewusst gemacht. Körpersprachliche Inszenierungen. Ein Bilder- und Arbeitsbuch. Frauenoffensive, MĂŒnchen 1998, ISBN 3-88104-308-X, S. 21. zit. nach KĂŒppers 2012, S. 1.
cite-note-kueppers-5-6661. â Carolin KĂŒppers: Soziologische Dimensionen von Geschlecht. 2012, S. 5.
cite-note-voland-5-6762. â Eckart Voland, Johannes Johow: Geschlecht und Geschlechterrolle: Soziobiologische Aspekte. In: Aus Politik und Zeitgeschichte: GeschlechtsidentitĂ€t. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 8. Mai 2012, S. 5, abgerufen am 28. August 2019.
cite-note-bischof-hrdy-6863. â Voland und Johow verweisen in diesem Zusammenhang auf Doris Bischof-Köhler: Von Natur aus anders. Die Natur der Geschlechtsunterschiede. 4., ĂŒberarbeitete und erw. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-17-021625-9. Sarah Blaffer Hrdy: Mutter Natur. Die weibliche Seite der Evolution. Berlin-Verlag, Berlin 2000, ISBN 3-8270-0240-0.
cite-note-voland-4-6964. â Eckart Voland, Johannes Johow: Geschlecht und Geschlechterrolle: Soziobiologische Aspekte. In: Aus Politik und Zeitgeschichte: GeschlechtsidentitĂ€t. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 8. Mai 2012, S. 4, abgerufen am 28. August 2019.
cite-note-voland-1-7065. â Eckart Voland, Johannes Johow: Geschlecht und Geschlechterrolle: Soziobiologische Aspekte. In: Aus Politik und Zeitgeschichte: GeschlechtsidentitĂ€t. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 8. Mai 2012, S. 1, abgerufen am 28. August 2019.
cite-note-voland-2-7267. â Eckart Voland, Johannes Johow: Geschlecht und Geschlechterrolle: Soziobiologische Aspekte. In: Aus Politik und Zeitgeschichte: GeschlechtsidentitĂ€t. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 8. Mai 2012, S. 2, abgerufen am 28. August 2019.
cite-note-dawkins-7368. â Richard Dawkins: Das egoistische Gen. 2., unverĂ€nd. Auflage. Springer, Berlin u. a. 2007, ISBN 978-3-642-55391-2.
cite-note-ethikrat-2-7570. â Anderes, divers oder inter? In: tagesschau.de. 19. Mai 2018, abgerufen am 20. Mai 2018: âDer Deutsche Ethikrat geht davon aus, dass es etwa 80.000 intersexuelle Menschen in Deutschland gibt.â
cite-note-voland-3-7671. â Eckart Voland, Johannes Johow: Geschlecht und Geschlechterrolle: Soziobiologische Aspekte. In: Aus Politik und Zeitgeschichte: GeschlechtsidentitĂ€t. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 8. Mai 2012, S. 3, abgerufen am 28. August 2019.
cite-note-heschl-7772. â Adolf Heschl: Das intelligente Genom. Ăber die Entstehung des menschlichen Geistes durch Mutation und Selektion. Springer, Berlin u. a. 1998, ISBN 3-540-64202-1.
cite-note-ethikrat-stellungnahme-7873. â Deutscher Ethikrat (Hrsg.): IntersexualitĂ€t: Stellungnahme. 2012, ISBN 978-3-941957-27-5 (201 Seiten (Memento vom 18. MĂ€rz 2016 im Internet Archive) [PDF; 1,5 MB]).
cite-note-bundeszentrale-02-7974. â GeschlechtsidentitĂ€t. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 2012, abgerufen am 10. April 2017.
cite-note-adamietz-01-8075. â Laura Adamietz: GeschlechtsidentitĂ€t im deutschen Recht. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 8. Mai 2012, abgerufen am 29. Juni 2017.
cite-note-adamietz-02-8176. â Laura Adamietz: GeschlechtsidentitĂ€t im deutschen Recht. 2012, S. 2.
cite-note-adamietz-03-8277. â Laura Adamietz: GeschlechtsidentitĂ€t im deutschen Recht. 2012, S. 3.
cite-note-adamietz-04-8378. â Laura Adamietz: GeschlechtsidentitĂ€t im deutschen Recht. 2012, S. 4.
cite-note-adamietz-05-8479. â Laura Adamietz: GeschlechtsidentitĂ€t im deutschen Recht. 2012, S. 5.
cite-note-adamietz-06-8580. â Laura Adamietz: GeschlechtsidentitĂ€t im deutschen Recht. 2012, S. 6.
cite-note-richter-1-8681. â Hertha Richter-Appelt: GeschlechtsidentitĂ€t und -dysphorie. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 8. Mai 2012, S. 1, abgerufen am 8. Mai 2017.
cite-note-richter-p1-8782. â Hertha Richter-Appelt: IntersexualitĂ€t â Störungen der Geschlechtsentwicklung. In: Bundesgesundheitsblatt â Gesundheitsforschung â Gesundheitsschutz. Band 50, Nr. 1, 2007, S. 52â61.
cite-note-richter-2-8983. â Hertha Richter-Appelt: GeschlechtsidentitĂ€t und -dysphorie. 2012, S. 2.
cite-note-richter-3-9084. â Hertha Richter-Appelt: GeschlechtsidentitĂ€t und -dysphorie. 2012, S. 3.
cite-note-richter-4-9185. Hertha Richter-Appelt: GeschlechtsidentitÀt und -dysphorie. 2012, S. 4.
cite-note-richter-5-9286. â Hertha Richter-Appelt: GeschlechtsidentitĂ€t und -dysphorie. 2012, S. 5.
cite-note-kloeppel-1-9387. Ulrike Klöppel: Medikalisierung âuneindeutigenâ Geschlechts. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. GeschlechtsidentitĂ€t. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 8. Mai 2012, S. 1, abgerufen am 10. Mai 2017.
cite-note-kloeppel-2-9488. â Ulrike Klöppel: Medikalisierung âuneindeutigenâ Geschlechts. 2012, S. 2.
cite-note-kloeppel-3-9589. â Ulrike Klöppel: Medikalisierung âuneindeutigenâ Geschlechts. 2012, S. 3.
cite-note-kloeppel-4-9690. â Ulrike Klöppel: Medikalisierung âuneindeutigenâ Geschlechts. 2012, S. 4.
cite-note-kloeppel-5-9791. â Ulrike Klöppel: Medikalisierung âuneindeutigenâ Geschlechts. 2012, S. 5.
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